Berlin : Eine Frage der Wertung

Innenausschuss stritt über Kriminalitätsstatistik

Werner Schmidt

Insgesamt weist die Kriminalitätsstatistik für 2003 zwar eine positive Bilanz vor: Die Zahl der Delikte ist gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent auf 540 000 gesunken. Für die Opposition ist das aber kein Grund für Zufriedenheit. Denn auch die Aufklärungsquote ist rückläufig, von 49,7 Prozent 2003 sank die Zahl der aufgeklärten Taten auf 48,5 Prozent im vergangenen Jahr. Dies ist für den innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Henkel, ein Ergebnis des „eklatanten Personalabbaus bei der Polizei“ durch den Innensenator. Und als „dramatisch“ bezeichnete Henkel im parlamentarischen Innenausschuss des Abgeordentenhauses die Jugendgruppengewalt: Die Kriminalitätsstatistik verzeichnet 8050 Delikte, bei denen Jugendliche als Täter ermittelt wurden. Das ist ein Anstieg von 7,5 Prozent. Mehr als ein Drittel der Täter waren Ausländer.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte dagegen, der Rückgang der Kriminalitätszahlen zeige, dass man sich in Berlin auf dem richtigen Weg befinde. Für eine Millionenstadt sei eine Aufklärungsquote von 48,5 Prozent ein „Top-Ergebnis“. Polizeipräsident Dieter Glietsch setzte eine Erfolgsmeldung dazu, die nicht aus der Statistik hervorgeht: Die Zahl der Täter, die Schusswaffen benutzten, ging zurück. In 799 Fällen drohten sie damit, und 272 Mal schossen sie im vergangenen Jahr. 2003 wurde noch in über 1000 Fällen mit einer Pistole gedroht, 441 Mal drückten die Täter auch ab.

Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen, warf der CDU vor, es gehe ihr nur darum, mehr Polizeibeamte zu fordern. Die Kriminalitätsstatistik werfe ein Schlaglicht auf verschiedene Kriminalitätsfelder und trotz ihrer eingeschränkten Mittel sei es der Polizei im vergangenen Jahr gelungen, über 78 Prozent aller Vergewaltigungsfälle aufzuklären – eine der höchsten Quoten neben Mord und Totschlag (89,8 Prozent).

Die Berliner Polizei wird in Zukunft verstärkt Internet-Kriminalität bekämpfen. Polizeipräsident Glietsch sagte, es werde Fortbildungsmöglichkeiten für Beamte geben und die Ausstattung mit Internet-Computern verbessert. Hintergrund sind die drastisch gestiegenen Fallzahlen von Computerkriminalität im vergangenen Jahr. Nach der bereits Mitte Februar vorgestellten Kriminalitätsstatistik wird immer häufiger mit gestohlenen EC- und Kreditkarten eingekauft oder mit falschen Namen bei Ebay und anderen Online-Auktionshäusern mitgesteigert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar