• Eine Frage des Quotienten Wie türkische Blätter über den Intelligenzstreit berichten

Berlin : Eine Frage des Quotienten Wie türkische Blätter über den Intelligenzstreit berichten

Suzan Gülfirat

Das türkische Boulevardblatt Hürriyet fährt seit Anfang vergangener Woche eine Kampagne gegen den Präsidenten der Freien Universität Berlin (FU), Dieter Lenzen, und den Leiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, Volkmar Weiss. Auslöser sind Berichte in zwei deutschen Zeitungen. Die „Berliner Zeitung“ hatte Mitte Juli vor dem Hintergrund der letzten Pisa-Studie mit Dieter Lenzen ein Interview geführt, worin der Wissenschaftler die Intelligenz deutscher und türkischer Kinder verglich. Aus den Ergebnissen einer in Hannover erschienenen Studie folgerte er, dass der Intelligenzquotient der türkischen Migranten niedriger sei. Daraufhin forderten Verbände, Politiker und türkische Zeitungen eine Entschuldigung von Lenzen.

Am 23. Juli erschien dann ein Text mit der Überschrift „Der Intelligenzquotient der Türken“ in der „Welt“. Lenzen hätte sich bei seiner umstrittenen Äußerung durchaus auf die Studien von Volkmar Weiss berufen können, hieß es da. „Der Intelligenzforscher (…) weist seit der ersten Pisa-Studie darauf hin, dass der IQ von Zuwanderern aus der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion zwischen zehn und 15 Prozent niedriger liege.“ Vor allem auf diese Passage berief sich die Hürriyet immer wieder.

Am vergangenen Dienstag war das Thema sogar Aufmacher auf der Titelseite der türkischen Hauptausgabe der Hürriyet. „Auch der IQ der Türken in der Türkei ist niedrig. Die Quote in Berlin haben die Türken gesenkt“, zitierte die Hürriyet den Intelligenzforscher. An diesem Tag zeigte die Zeitung auch ein Foto von FU-Präsident Dieter Lenz: „Entschuldigt Euch“. In den Unterzeilen zitierte die Zeitung verärgerte Türken: „Das macht die Schande nicht wett, aber wir erwarten dennoch eine Entschuldigung.“ Am Mittwoch kam Volkmar Weiss alleine auf die Titelseite sämtlicher Ausgaben in der Türkei und in Europa: „Er sprach mit der Hürriyet.“ Das Gespräch habe „vielleicht fünf Minuten“ gedauert, sagte dieser später.

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