Berlin : Eine Frau mit Vergangenheit Bürgermeisterin Emmrich irritiert ihre Kollegen

Dass sie lange in der SED war, hat sie nie bestritten. 16 Jahre lang gehörte Christina Emmrich, heute „Die Linke“, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an. Nach zwei ziemlich politikfreien Jahren trat sie der PDS bei, seit 2002 ist sie Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg – und macht immer mal wieder von sich reden, weil ihr Abstand zur DDR nicht so groß zu sein scheint. Sie war dabei, als alte Stasi-Schergen aus dem Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen bei einer Diskussion Stasi-Opfer verspotteten, und schien nicht zu wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Das war vor anderthalb Jahren. In der vergangenen Woche hatte sie Ärger, weil auf einem geförderten Lichtenberger Stadtteilfest der letzte Vizechef des Ministeriums für Staatssicherheit, Werner Großmann, aus seinen Erinnerungen lesen sollte. Das Abstandsproblem? Jetzt beschrieb „Bild“ die Bürgermeisterin, 58 Jahre alt, als „rote Christina“ und fragte, wie viel DDR in ihr stecke. Sie möge die schwarz-rot-goldene Fahne nicht, hieß es. Sie würde lieber „BRD“ statt Bundesrepublik sagen. Sie empfinde viele staatliche Institutionen als fremd.

Damit hat die Bürgermeisterin, die nur selten ans Telefon zu bekommen ist, Kollegen aus dem Rat der Bürgermeister irritiert. Einer, der nicht zitiert werden will, sah Emmrich stets als „eigene Persönlichkeit“. Im Rat der Bürgermeister gehe es darum, die Bezirke gegen die Hauptverwaltung zu stärken – da sei Emmrich immer „sachbezogen“ dabei. Er wisse über die Kollegin von links außen „nichts Negatives“ zu sagen. Auch die CDU-Bürgermeisterin von Reinickendorf Marlies Wanjura sagt nichts Böses über Emmrich. Doch sie wünsche sich, seitdem sie selbst das Stasi-Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen besichtigt habe, „eine klare Distanzierung“ vom Unrechtsstaat DDR, sagt Wanjura. wvb.

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