Berlin : Eine Frau von Statur

Ein Plüschlöwe und viele Umarmungen für die Branchentigerin. Regina Ziegler feierte mit vielen Promis das 30-Jährige ihrer Filmproduktionsfirma

Hella Kaiser

Alle paar Minuten gab’s ein Blitzlichtgewitter im Hotel Intercontinental. Auch Jaecki Schwarz, bekannt als Ermittler im Polizeiruf 110, stand irgendwann drin, am Sonntag Abend. „Kinder“, wehrte er ab, „das ist doch albern, ich hab’ doch nicht Geburtstag heute.“ Wie alle anderen der 300 Gäste war er zum Gratulieren hier. Regina Ziegler feierte das 30-jährige Bestehen ihrer Filmproduktionsfirma. Fein gerahmt hing jenes amtliche Schreiben da, das sie am 27. März 1973 die Ausübung „eines stehenden Gewerbes, und zwar zur Herstellung von Dokumentationen und Spielfilmen“ erlaubte.

Was hat die Frau daraus gemacht! 280 Filme bis zum heutigen Tag. Gleich der erste, „Ich dachte, ich wäre tot“, unter der Regie ihres Mannes Wolf Gremm heimste den Bundesfilmpreis ein. Später kamen mehrere Grimme-Preise dazu, den American Cinema-Award erhielt sie und eine Hommage auf dem Internationalen Filmfestival von Los Angeles. Kaum ein Festival gab es, auf dem ihre „Erotic Tales“ nicht liefen. Denkt so eine erfolgreiche Produzentin manchmal an einen guten Stoff, der ihr durch die Lappen ging? „Nein“, sagte sie und lachte, „und heute schon gar nicht. Heute wird gefeiert.“

Aber erstmal standen die Gratulanten brav in einer Schlange, um sie zu herzen. Rosa von Praunheim, mit rosa Mütze auf dem Kopf, hatte zwei langstielige Rosen in der Hand, die gerade noch Platz fanden auf dem viel zu kleinen Gabentisch. Ein aufblasbares Glücksschwein stand da neben einem Plüschlöwen, eine Buttercremetorte neben einem Rosenbaum, mit Glückskäfern beklebt.

Schaute man sich um an diesem Abend, sah man fast nur in bekannte Film-und Fernsehgesichter. Anita Kupsch und Heiner Lauterbach, Eleonore Weißgerber, Günter Lamprecht und Thekla Carola Wied waren da und auch Wolfgang Menge. Mal ehrlich, hat eine Produzentin viel zu sagen? „Leider ja“, sagte Menge, wollte derlei „Einmischungen“ aber nicht auf Regina Ziegler gemünzt wissen. Erika Pluhar erinnerte sich als Mitwirkende an zahlreiche Ziegler-Produktionen, „aber jetzt bin ich nur noch Schriftstellerin“. Unglücklich sei sie darüber nicht, denn heute würden junge Schauspieler ja „zum Quotendenken hingecastet“ und die Stoffe drehten sich nur noch um Familien- oder Liebesangelegenheiten. Anspruchsvolles würde abgebügelt mit dem Begründung „so etwas wollen die Leute nicht sehen“.

Regina Ziegler, von einem guten Stoff einmal überzeugt, versucht, ihn durchzuboxen. „Die Produzentin muss ja alles zusammenbringen“, fand Judy Winter, die in Zukunft – „na klar“ – auch wieder Fernsehen machen will. Genau wie Ruth Maria Kubitschek, die hofft, dass man sich wieder auf die guten alten Kräfte besinnt und „der momentane Jugendwahn“ vorbeigeht.

Klaus Wowereit war ohne Geschenk gekommen, nahm aber dafür Regina Ziegler umso herzlicher in die Arme. „Sie ist ja eine Berliner Erfolgsgeschichte“, strahlte er. Und diesbezüglich werden wohl noch viele Kapitel geschrieben werden. Gemeinsam mit ihrem Team – seit drei Jahren ist auch Tochter Tanja dabei – wird sie weiterwirbeln.

Wie Regina Ziegler da, schon von ihrer körperlichen Statur her majestätisch wirkend, inmitten ihrer Gäste stand, wusste man: Diese Frau lässt sich durch nichts und niemand den Schneid abkaufen. Am 9. Mai zeigt die ARD um 20.15 Uhr die Ziegler-Produktion „Mutter kommt in Fahrt“ mit Gila von Weitershausen und Elmar Wepper. Geschichten über Powerfrauen mag Regina Ziegler. Wahrscheinlich schon deshalb, weil sie selbst eine ist. An diesem Abend aber, das spürte man deutlich, freuten sich die Gäste nicht nur über eine erfolgreiche Frau, sondern über eine, die das Herz am rechten Fleck behalten hat.

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