Berlin : Eine Gala als Brücke

Das American Jewish Committee feierte seinen 100. Geburtstag in Berlin Die bewegende Gala fand in unmittelbarer Nähe des Holocaust-Mahnmals statt

Elisabeth Binder

Die Stimmung war gelöst, fast ausgelassen. Dabei war das elegante Gala-Dinner im Ballsaal des Hotels Adlon ein besonderes Ereignis. Ausgerechnet hier, in unmittelbarer Nachbarschaft des Holocaust- Mahnmals, in Sichtweite der Orte, wo einst die Nazis aufmarschierten und zum Beispiel der Maler Max Liebermann aus Amt und Würden gejagt wurde, feierte das American Jewish Committee (AJC) sein 100-jähriges Bestehen. Etwa 140 Mitglieder und Gäste wie Shimon Stein, Klaus Schütz, Walter Momper, John Kornblum, Gary Smith und Bernhard von der Planitz begingen den Auftakt zu einem Berlin-Programm, in dessen Verlauf auch ein Empfang bei Bundespräsident Horst Köhler vorgesehen ist. Gefeiert werde unter anderem die Wiedergeburt jüdischen Lebens in Europa, sagte AJC-Präsident Robert Goodkind.

Gegründet wurde das American Jewish Committee 1906 in New York von Einwanderern überwiegend deutscher Herkunft, die besorgt waren über die Pogrome in Russland. Die Gründer waren überzeugt, dass der beste Schutz gegen Verfolgungen im Einsatz für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit liege.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte es „ein beglückendes Zeichen, dass Juden Berlin wieder Heimat nennen“. An vielen Kiosken gebe es jüdische Zeitungen, die Zahl der Synagogen und Kindergärten wachse. Er ging im Verlauf seiner Festrede auch auf die besondere Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel ein.

Das Berliner Gala-Dinner bildete im Rahmen der Festlichkeiten zum 100. Geburtstag eine Brücke zwischen zwei zentralen Festakten in Jerusalem und New York. „Das ist kein Zufall“, rief Geschäftsführer David A. Harris. „Sehen Sie darin jedes Symbol, das Sie sehen wollen.“ Man solle sich nur einmal vorstellen, wie die Welt vor 60 Jahren ausgesehen habe. Da sei es geradezu atemberaubend, dass man nun hier sitze, mitten in Berlin, mit deutschen Freunden. Das zeige, „was möglich ist, wenn Menschen sich trauen, Träume zu haben“ und auch dass Hoffnung über Verzweiflung siegt. „Von hier aus senden wir eine Botschaft aus in eine Welt, die ein tiefes Bedürfnis nach Heilung hat.“ In der sehr emotional vorgetragenen und von den Anwesenden mit sichtbarer Rührung aufgenommenen Ansprache ging es auch noch um gemeinsame Werte und Ziele.

Bei Karotten-Ingwer-Suppe, Rinderfilet und Himbeer-Schokoladen-Dessert wurden viele Eindrücke ausgetauscht von der unmittelbar vorangegangenen Europa-Reise. Martin S. Kaplan, Anwalt aus New York und Leiter der Antisemitismus Task Force, zeigte sich besonders beeindruckt von einer Begegnung mit dem neuen Papst und den auch weiterhin zu erwartenden Verbesserungen im Verhältnis zur katholischen Kirche. Otto Schily gab zwischendurch immer wieder den aktuellen Stand des Fußballspiels Deutschland-USA durch und verursachte so jede Menge Fußball-Witze. Seit 1998 gibt es in Berlin ein Büro des AJC, das von Deidre Berger geleitet wird und dessen Arbeit im Verlauf des Abends immer wieder sehr gelobt wurde.

Trotz des historischen Hintergrunds war es eine ausgesprochen unsteife, bewegende Gala. Sie warb geradezu für das in den USA verbreitete, hierzulande oft unterschätzte positive Denken.

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