Berlin : Eine Genanalyse soll Ermittlern weiterhelfen

Holger Stark

Nach weiterem Geständnis untersucht die Polizei ungeklärte Fälle in NorddeutschlandHolger Stark

Der LKW-Fahrer Bernd K., den die Polizei am Freitag wegen des Mordes an der Berlinerin Yvonne Rywoldt festgenommen hatte, ist offenbar ein Serientäter. Insgesamt hat der 43-Jährige entlang der Autobahn 24 mindestens vier schwere Verbrechen begangen. Die ermittelnde Lübecker Polizei prüft nun nach einem zweiten Mordgeständnis systematisch, ob der Mann noch weitere Frauen vergewaltigt und anschließend getötet hat. Unter anderem soll eine Genanalyse nähere Erkenntnisse bringen. Am Wochenende hatte der Fernfahrer auch den Mord an der Neuköllnerin Elke Schmitt zugegeben.

Offenbar ging der Serientäter immer nach dem gleichen Muster vor. Er suchte Frauen, die an der Autobahn Berlin-Hamburg Autoprobleme hatten, bot ihnen Hilfe an und überwältigte sie. Anschließend vergewaltigte er die Frauen. Yvonne Rywoldt und Elke Schmitt wurden später erwürgt beziehungsweise erdrosselt in der Nähe der A 24 jeweils in einem Waldstück aufgefunden.

Nach einer Studie des Düsseldorfer Kriminalkommissars Stephan Harbort hat es in Deutschland seit 1945 rund 180 Serienmörder gegeben. Zu den Merkmalen zählten schwach ausgeprägte soziale Kontakte in der Jugend sowie eine gestörte Sexualität. Die Ermittlungen sind für die Polizei besonders schwierig, weil in der Regel jede Täter-Opfer-Beziehung fehlt - wie bei Bernd K., der immer dann zu schlug, wenn ein allein fahrende junge Frau eine Autopanne hatte.

Sein vermutlich erstes Opfer stammt ebenfalls aus Berlin. Die 29-jährige Elke Schmitt, eine Pharmazievertreterin, war am 19. Dezember 1994 mit einem dunkelblauen Mietwagen unterwegs, als ihr nahe der Raststätte Stolpe das Benzin ausging. Mit einem Kanister machte sie sich zur Tankstelle auf, wo sie gegen 20.15 Uhr das letzte Mal gesehen wurde. Im Januar 1995 wurde ihre skelettierte Leiche von einem Forstarbeiter in einem Wald bei Telschow, Landkreis Prignitz, gefunden - der geständige Bernd K. lebte bis zu seiner Festnahme im nahe gelegenen Pritzwalk. Am Wochenende gestand der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern noch eine gefährliche Körperverletzung im Sommer 1998, die ebenfalls in Brandenburg nahe der Autobahn 24 stattfand. Dabei habe er eine weitere Frau gewürgt und geschlagen.

Bernd K. war am Freitagmorgen in Lübeck bei einer Warenübernahme festgenommen worden. Er hatte seit drei Monaten für eine Hamburger Spedition gearbeitet und war vorwiegend in Norddeutschland unterwegs. In einer ersten Aussage hatte er den Mord an der 21-jährigen Yvonne Rywoldt zugegegeben. Außerdem vergewaltigte der Mann am 1. November eine 35-jährige Hamburgerin, die ebenfalls eine Autopanne hatte, ließ sie aber später überraschend frei. Durch ihre genaue Beschreibung des Vergewaltigers sowie von dessen LKW kamen die Fahnder schließlich auf die Spur von Bernd K. Allerdings stellten die Polizisten offenbar erst nach dem Verschwinden von Yvonne Rywoldt eine Verbindung zwischen den verschiedenen Fällen an der Autobahn 24 her. Die Hamburger Polizei meldete sich in Lübeck erst nach Beginn der Ermittlungen im Fall Rywoldt.

Ähnlich wie im Fall Elke Schmitt verlief auch der Mord an Yvonne Rywoldt. Die Auszubildende von Karstadt hatte am 19. November auf der A 24 Probleme. Von der Raststätte Gudow meldete sich Yvonne Rywoldt telefonisch bei ihrer Mutter; sie habe eine Autopanne, aber ein LKW-Fahrer helfe ihr. Im Auto der jungen Frau fand die Polizei später Kleidungsstücke. Nach seiner Festnahme führte der Fernfahrer die Beamten zu einer Senke vier Kilometer von der Raststätte entfernt, wo die Tote unter Fichten lag.

Noch unklar ist, ob K. auch der Mörder von Maren Graalfs ist. Die Geschäftsfrau verschwand am 21.3.1997, ebenfalls an der A 24. Vier Tage später entdeckten Jäger die Leiche nahe einer Ausfahrt - enthauptet.

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