Berlin : Eine Genossenschaft kämpft um das Überleben

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Zuerst war es ein Kampf um bezahlbaren Wohnraum. Dann wurde es ein Ringen um die Finanzierung. Jetzt ist es ein Hickhack mit Banken und Behörden – und am Ende könnte, schon bald, sogar die Pleite stehen. Dabei galt die MieterGenossenschaft Wöhlertgarten lange Zeit als beispielhaft für die Berliner Wohnungspolitik.

So fing es an: 1998 wollte die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) ein stark heruntergekommenes Altbau-Ensemble mit 122 Wohnungen in Berlin-Mitte an einen Investor verkaufen. Doch die Mieter wehrten sich, der Bezirk half ihnen und der Käufer gab auf. „Da haben wir uns gedacht: Wir machen es selbst“, erzählt einer der Bewohner, Wilfried Jung. „Wir gründen eine Genossenschaft, renovieren die Gebäude und bewahren so die Sozialstruktur.“ 48 Mieter machten mit. Inzwischen sind es 106 Genossenschaftler. Familien mit Kindern, gut verdienende Angestellte, aber auch alte Leute.

Der Senat förderte das Projekt. Denn „Eigentumsbildung“ im Wohnungsbau sollte vorangetrieben werden, und Altbausanierung war gern gesehen. Das Genossenschaftsmodell versprach, beides zu verbinden. Dabei sei es ihnen gar nicht um das Eigentum gegangen, sagt Stefan Blank. „Mehr um Selbstbestimmung, Selbstverwaltung.“ Ein Teil der Fördermittel war jedoch an Kauf gebunden. Für zusammen 10 000 Quadratmeter zahlten die Genossenschaftler 3,8 Millionen Euro an die WBM. „Ziemlich viel“ für Häuser in einem so schlechten Zustand, sagt Jung. Mit kaputten Dächern, Schwamm in den Mauern, abgeblätterten Fassaden. Entsprechend hoch waren die Baukosten. Jeder brachte 5000 Euro Eigenkapital mit, hinzu kamen Eigenheimzulagen, Bauzuschüsse, zinsgünstige Landes-Darlehen, Bankkredite. Insgesamt 15,3 Millionen Euro. Mittlerweile ist der Wöhlertgarten saniert: Eine schöne, ruhige Wohnanlage um einen offenen Innenhof mit Spielplatz und Grün. Die Mieten betragen höchstens 4,34 Euro pro Quadratmeter. Wer weniger verdient, zahlt weniger.

Doch jetzt will die Bank die letzte halbe Million Kredit nicht auszahlen, weil das Land die Bürgschaft verweigert. Es geht um die Absicherung für den Fall der Insolvenz der Genossenschaft. Bleiben die Verhandlungen ergebnislos, tritt aber genau dieser Fall ein: Die letzten Rechnungen könnten dann nicht gezahlt werden und die Genossenschaft wäre pleite. Die WBM dürfte die grundsanierten Gebäude zurückkaufen, das Geld ginge an die Bank. Jung, Blank und die andern wären keine Eigentümer mehr, die Miete würde steigen. An böse Absichten wollen sie (noch) nicht glauben. Neun Zehntel der Kredite seien doch problemlos ohne Bürgschaft ausgezahlt worden. how

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