Berlin : Eine Grube für den Geheimdienst

Der schmucklose Sockel des BND-Neubaus wird in der Erde versenkt. Jan Kleihues hat einen Zentralbau mit Tentakeln und vielen Fenstern entworfen.

Matthias Oloew

Die Details verraten: Beim geplanten Neubau für den Bundesnachrichtendienst (BND) an der Chausseestraße in Mitte handelt es sich doch um eine Trutzburg. Den Haupteingang erreichen Besucher und Mitarbeiter ab 2011, in dem sie auf einem von zwei Torhäusern flankierten Weg schreiten und schließlich einen künstlichen Graben überqueren, ehe sie die Sicherheitsschleuse des Geheimdienstes erreichen– da fehlen eigentlich nur noch Wasser und Zugbrücke.

Jan Kleihues, Architekt des preisgekrönten Entwurfs, wählt für die Erläuterungen genau das Wort, das der Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt sowie der BND-Präsident zuvor tunlichst vermieden haben. Eine „Burg“ sei sein Entwurf, sagt Kleihues bei der Vorstellung des Modells am Montag.

Er hat Recht. Weil aus Sicherheitsgründen die BND-Zentrale erst in fünf Metern Höhe Fenster haben darf, hat Kleihues den gesamten Komplex in eine vier Meter tiefe Grube versenkt. Von der Straße aus wird der fensterlose Sockel kaum auffallen. Wie berichtet, wird der Bau 35 Meter hoch sein, durch die Grube verringert sich die Traufhöhe auf 31 Meter. In den Torhäusern wird das Besucherzentrum mit Souvenirshop untergebracht, die ursprünglich geplante Ladenzeile ist passé. „Ich habe nicht den Eindruck, dass es in der Gegend an Ladenlokalen mangelt“, sagt August Hanning, der BND-Präsident, und erklärt so, weshalb man darauf verzichtet habe.

Die Pläne sehen eine Reihe Poller entlang des Bordsteins an der Chausseestraße vor, ähnlich denen vor der künftigen US-Botschaft am Brandenburger Tor. Am Gehweg steht ein drei Meter hoher Zaun, dahinter ist bis zur Fassade des Hauptgebäudes etwa 40 Meter Platz für Rasen und Kiefern. Anders als seine Konkurrenten hat Kleihues einen Komplex entworfen, dessen durchweg achtgeschossigen Seitenarme sich von einer Zentralachse verzweigen. Alle Büros werden Tageslicht haben, die meisten mit Stadtblick statt in einen der Innenhöfe.

Kleihues’ Pläne für ein Parkhaus inklusive Energiezentrale haben bei den Juroren nicht so viel Beifall gefunden wie sein Hauptgebäude. Für die geplante BND-eigene Sporthalle und das Internat – beides an der Habersaathstraße geplant – wird es einen eigenen Wettbewerb geben. Der zweite BND-Standort in Berlin, am Gardeschützenweg in Lichterfelde, in dem schon heute rund 1000 Geheimdienstler arbeiten, wird auch nach dem Umzug des Nachrichtendienstes erhalten bleiben. Und noch etwas steht bereits fest, das Datum für den Einzug: Am 4. August 2011 ist es so weit.

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