Berlin : Eine Halle mit Tradition – ohne Fans

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Wo seit bald 70 Jahren die „Deutschlandhalle steht, will die Messe Berlin bis 2009 ihr „Deutschlandhalle Convention Center“ errichten. Es soll, geht es nach der Messe, das ICC ersetzen. Für das alte Gebäude könnte damit das Ende wirklich in Sicht sein. Nur der verfremdete Name hielte dann noch die Erinnerung an das traditionsreiche Haus wach.

Vor gut fünf Jahren entging die Deutschlandhalle am Messedamm gerade noch mal dem Abriss. Das hatte sie nicht dem Denkmalschutz und einem hohen öffentlichen Sympathiewert zu verdanken, sondern bloß 4,5 Millionen Euro, die dem Senat für den Abbruch fehlten. Bald darauf traf sich gut, dass die benachbarte Eissporthalle abgerissen wurde: Eine neue Chance für die Deutschlandhalle, die für 4,6 Millionen Euro zur Eishalle umgebaut wurde.

Aber auch nach der jüngsten Wiederbelebung drückten nach Auskunft der Messe die jährlichen Betriebskosten von drei Millionen Euro. Und richtig belebt war das Haus mit mehr als 8000 Plätzen eigentlich auch nicht, weil die erhofften EishockeyBundesliga-Spiele ausblieben.

Die Messe hat das traditionsreiche Bauwerk nie gemocht, und auch im Senat findet es weiterhin wenig Freunde. Wegen angeblicher Baufälligkeit war das Haus 1997 geschlossen worden, und sofort wurde über Abriss geredet. Im Ostteil der Stadt standen schon neue Hallen, für das Haus in Eichkamp wurde kein Bedarf mehr gesehen. Es gehöre nicht zur West-Berliner Identität, urteilte damals der CDU-Politiker Klaus Landowsky – für diese Identität ein Fachmann. Sein Parteifreund und damaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen hatte allerdings schon 1985 verkündet, Berlin ohne Deutschlandhalle sei unvorstellbar.

Zu den Olympischen Spielen 1936 war die Halle, eine Stahlkonstruktion, nach Plänen von Franz Orthmann und Fritz Wiemer erbaut worden, als „größte Mehrzweckhalle der Welt“. Hier gab es beispielsweise Box-Turniere, auch Vorführungen mit einem Sportflugzeug. Während einer Vorstellung von „Menschen Tiere Sensationen“ schlugen 1943 Bomben ein. Nach schweren Zerstörungen wurde die Halle aufgebaut und 1957 eröffnet. Aufgeführt wurden wiederum „Menschen Tiere Sensationen“. Es gab regelmäßig Sechstagerennen, Fußball- und Reitturniere. Auch wurden zahlreiche Rockkonzerte veranstaltet. C. v. L.

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