Berlin : Eine honorige Familie

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Es mag ja sein, dass Geburtstage immer Familienfeiern sind. Wenn das so ist, dann versammelte sich am Freitagnachmittag in der Friedrichshainer Bartholomäuskirche wahrhaftig eine honorige Familie. Denn im hellen Kirchenschiff saßen: der Bundespräsident, der Kanzler, Bundestagspräsident und Regierender Bürgermeister – damit auch, weil er es gerade ist, der Bundesratspräsident –, ganz zu schweigen von den Repräsentanten der Kirche mit dem Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland an der Spitze. Anlass: Die Landeskirche Berlin-Brandenburg feierte den Geburtstag von Landesbischof Wolfgang Huber, der am Montag sechzig Jahre alt geworden war. Sie feierte nach allen Regeln protestantischer Festlichkeit: mit einer Andacht am Anfang, die Propst Karl-Heinrich Lütcke hielt, mit Orgel, Posaunen und brausendem Gemeindegesang – und mehr als einem halben Dutzend Grußworten. Synodalpräses Anneliese Kaminski gab mit der Würdigung von Hubers acht Bischofsjahren den Kammerton vor. EKD-Präses Manfred Kock lobte den Ethiker, den Mann der Kirchenleitung – und widersprach energisch dem Bonmot, dass der Theologie-Professor Huber erst als Bischof fromm geworden sei – und den homo politicus. Bundespräsident Johannes Rau surfte elegant und bibelkundig – „gerühmt muss sein“ (Apostel Paulus) – am Rande der Sprache Kanaans entlang. Bundeskanzler Gerhard Schröder hielt gut mit und hob Hubers „profunde Kritikfähigkeit“ ebenso hervor wie seine Fähigkeit zur „Stiftung von Gemeinsinn“. Da hatten es Weihbischof Wolfgang Weider und Klaus Wowereit mit ihren Grußworten schwer. Die Sprengel der Landeskirche taten das ihre hinzu: Cottbus Musik, Berlin eine geistlich geadelte Wein-Kollektion, Neuruppin einen Geburtstags-Carmen in priegnitzer Platt. Die Festschrift überreichte der Münsteraner Professor Hans-Richard Reuter – mit dem Titel „Freiheit verantworten“ spielt sie auf Hubers Theologie an, mit ihrem beträchtlichem Umfang – „dir geschehe wie die gebührt“ – auf dessen gewaltige Produktivität. Da blieb dem sichtlich bewegten Bischof nur das Bekenntnis, wie sehr er sich in seiner Landeskirche „angekommen und aufgenommen“ fühle. Rdh.

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