Berlin : EINE IBA FÜR DIE INNERE UND ÄUSSERE STADT

Klaus Brake

Eine Internationale Bauausstellung als intellektueller und materieller Kraftakt hat ihre Berechtigung – wenn damit für die eigene Stadt geklärt werden kann, wie sie sich auf strukturelle Herausforderungen der Zukunft jenseits der Routine einstellen kann, und wenn die IBA dadurch für andere Städte interessant wird.

Was alle großen europäischen Städte derzeit umtreibt, ist die Belebung ihrer inneren Gebiete, die mit Segregationen verbunden ist, die wir in solcher Schärfe nicht mehr kennen und die eines der höchsten Güter unserer Städte bedroht: den sozialen und räumlichen Zusammenhalt des Gemeinwesens. In Berlin lässt sich das gut beobachten: Wer in der inneren Stadt, im S-Bahn-Ring, Wohnungen nicht mehr bezahlen kann, wird nach draußen gedrängt – wo ein Sammelraum jener entsteht, die finanziell nicht mithalten können.

Dieses Phänomen der „Banlieue“ ist nicht mehr eines des fernen Paris oder London. Gerade für Berlin sind deshalb Handlungsmodelle gefordert, zukunftsorientiert damit umzugehen. Noch ist diese großflächige Polarisierung von Innen- und Außenstadt nicht vollendet. Noch gilt Berlin als viel beachtetes Muster für seine soziale „Mischung“ – was auch die Attraktivität der Stadt für die so wichtige Kreativwirtschaft erklärt. Das aber ist extrem gefährdet. Eine neue Balance herzustellen zwischen den Potenzialen und Herausforderungen, den inneren, stark verdichteten und gemischt nutzbaren Quartieren und der äußeren Stadt, ist eine epochale Aufgabe der Vorsorge – auch um die kompakte und ressourcenschonende Kernstadt zu qualifizieren, statt neuer Suburbanisierung Tür und Tor zu öffnen.

Andere Großstädte werden sich an einer IBA, die das ausloten will, orientieren – weil sie eine ähnliche Thematik haben, selbst aber an isolierten Standorten arbeiten. Es wäre also genau das richtige Thema für Berlin selbst und in seiner Rolle als Vorreiter im Städtebau. Die Thematik „Stadtzentrum“ dagegen ist in der spezifischen historischen und räumlichen Konstellation in Berlin für andere Städte so nicht relevant.

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