Berlin : Eine Institution - weit über Berlin hinaus

V. B.

In den Festspieltagen hielt man vergebens Ausschau nach ihm, der doch die meisten mindestens um Haupteslänge überragte. Seit den frühen Jahren war er der Berlinale verbunden. Dies war das erste Festival, das er meiden musste: Gestern nun war zu erfahren, dass Hans Borgelt in Berlin gestorben ist. Man überlegt, wann man ihn das letzte Mal gesehen hat. Wir begegneten uns im Babelsberger Park, in dem er gerne mit seiner Frau spazieren ging. Es war im Sommer letzten Jahres, kurz vor seinem 85., den er in großer Runde fröhlich feierte.

Zeit seines Lebens stand der 1914 in Osnabrück geborene und in Eberswalde aufgewachsene Borgelt in großer Runde. Sei es nun als Leiter des Pressebüros der Berliner Filmfestspiele, eine Position, die er von 1953 bis 1968 innehatte, sei es in anderen Positionen in der Filmwirtschaft oder der Filmförderung. Oder sei es auch, und dies nicht zuletzt, als Autor. So lief sein Bühnenstück "Alle reden von Liebe" über ein Jahr im Hebbel-Theater (1971/72). Und das Abend für Abend. Als Romancier und Biograph (u. a. von Grethe Weiser und Lilian Harvey) war er nicht minder erfolgreich. Er schrieb, zumeist in heiterem Plauderton, über die "Filmstadt Berlin" und über "Die UFA - ein Traum" - und verfasste, ein vielseitiger Mann, auch Drehbücher für Spielfilme, etwa die Kästner-Verfilmung "Fabian". Er, der nach dem Krieg als Journalist - auch für den Tagesspiegel - begonnen hatte, konnte locker jedes Metier der Medien und der Literatur für sich beanspruchen. Hans Borgelt war das, was man eine Institution nennt - über Berlin weit hinaus.

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