Berlin : Eine jährliche Feier der Hoffnung

Pfarrer Frank-Michael Scheele über das Osterfest

Frank-Michael Scheele ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz in der Hildegardstraße in Wilmersdorf. Foto: privat
Frank-Michael Scheele ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz in der Hildegardstraße in Wilmersdorf....

Nur ein Drittel der Berliner bekennen sich zum christlichen Glauben. Der „eierlegende Osterhase“ genießt größeren Kultstatus als Jesus Christus. Das ist schade, denn Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu, könnte allen Menschen Erleichterung und Befreiung bringen.

Ostern ist nicht primär Erinnerung an das, was vor 2000 Jahren in Jerusalem geschah, sondern eine jährliche Feier der Hoffnung. Ostern besagt, dass Gott nicht Knechtschaft will, sondern Freiheit, nicht Tod, sondern Leben – Leben in Fülle in dieser und einer anderen Welt.

Als Seelsorger denke ich gerade in der Karwoche viel an die schwierigen Schicksale, die mir jeden Tag begegnen. Zum Beispiel an die alleinerziehende Mutter, die sich um drei Kinder sorgt, während sich ihr Ehemann eine jüngere Frau gesucht hat. Oder an den schwer krebskranken Familienvater, der auch im Angesicht des Todes keinen Frieden mit Gott und seinen Nächsten finden kann.

Wenn wir im Glaubensbekenntnis beten, dass Jesus vor seiner Auferstehung in das Reich des Todes hinabgestiegen ist, dann bedeutet das für mich, er selbst hat sich mit all dem Dunkel, den Niederlagen unseres Lebens solidarisiert und er hat Licht gebracht selbst in die Dunkelkammern unseres Daseins.

Er solidarisiert sich auch mit dem Homosexuellen, der in einer Partnerschaft lebt und so gerne versöhnt auch mit seiner Kirche leben möchte, aber immer wieder auf Ablehnung stößt. Oder mit der wiederverheirateten Frau, die endlich ihr privates Glück gefunden hat und so gerne ohne Verbote zur Kommunion gehen und den Leib Christi empfangen möchte.

Der Name des christlichen Osterfestes wird in den romanischen Sprachen mit dem Wortstamm „Pascha“ gebildet. Das führt uns direkt zum Judentum und zu dessen wichtigstem Feiertag, dem Pessachfest, das dieses Jahr zeitlich mit unserem Osterfest zusammenfällt. Pessach erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Gott geleitet sein Volk durch die Wüste in das Land der Verheißung. Er ist ein Gott der Befreiung. Und dieser große Exodus (griechisch/lateinisch für „Auszug“) steht in engem Bezug zu Jesus Christus. Durch seinen Tod erwirkt er die Freiheit der Liebe, seine Auferstehung ist der Exodus aus dem Tod. Ostern bedeutet deshalb Licht und Hoffnung, die Hoffnung, dass der Tod nicht am Ende aller Dinge steht.

Unser deutsches Wort „Ostern“ bezieht sich auf den Tagesanbruch, von Osten her. Das ist laut Bibel die Tageszeit, zu der Jesus Christus auferstanden ist. Rund um das Osterfest gibt es aber viele weitere Zeichen, um die Gedanken von Licht, Hoffnung und Auferstehung sichtbar zu machen. Dazu gehört das Feuer, eines der größten Güter der Menschheit. Es erhellt die Dunkelheit und wärmt. Zur österlichen Lichtsymbolik gehört auch die Osterkerze, Mittelpunkt jeder Osternachtsfeier. Sie ist Sinnbild für Jesus Christus als Licht der Welt und des Lebens.

Damit diese mutmachende Zusage in unserem Leben Wirklichkeit werden kann, braucht es unser Mittun. Auferstehung hat schon sprachlich etwas mit aufstehen zu tun. Stehen wir auf, befreien wir uns von einem Gefühl der Trägheit, von Mutlosigkeit, Langeweile oder sinnloser Berieselung. Vielleicht schafft es der eine oder andere, eine katholische Osternachtsfeier zu erleben. Er wird verändert nach Hause kommen. In dieser Osternacht werden alle Sinne angesprochen, es wird uns vor Augen geführt, dass alles, unser eigenes Leben, die Vergangenheit und die Gegenwart der Schöpfung zusammengehören und sich gleichsam berühren.

Aber auch die Auferstehung und das Osterei passen zueinander. Im christlichen Denken konnte das Ei mit seiner festen, geschlossenen Schale sehr leicht gedeutet werden als das fest verschlossene Grab, aus dem der auferstandene Christus hervorging. Das Ei ist daher das Symbol der Auferstehung und des Lebens und ist auf vielen religiösen Bildern dargestellt. In etlichen katholischen Gemeinden werden zum Abschluss der Osterliturgie Eier gesegnet. Diesen Brauch gibt es bereits seit dem 12. Jahrhundert.

Mein Wunsch für Ostern ist, dass sich wieder mehr Menschen unvoreingenommen dafür interessieren, woher wir kommen und wofür unsere Brauchtümer und Rituale stehen. Denn das Licht von Ostern möchte Kraftquelle und Hoffnungsanker für alle sein, für Alte und Junge, Kranke und Gesunde, für die Unglücklichen und die Glücklichen.

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