Berlin : Eine Klasse für sich

Markus Semmler ist in Berlin wieder präsent – mit eigenem Restaurant. Sein Stil ist spannend, zwischen Vernunft und Experiment. Seine beiden Workshops werden festtäglich.

Eine Serie von Susanne Leimstoll[Bernd Matthies],Kai-Uwe Heinrich
Der Routinier. Hier ist alles eine Nummer größer: der Fast-Zwei-Meter-Mann Markus Semmler und sein geräumiges Restaurant in Charlottenburg. Workshopteilnehmer können sich auf ein vorösterliches Programm und traumhafte Soßen freuen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Der Routinier. Hier ist alles eine Nummer größer: der Fast-Zwei-Meter-Mann Markus Semmler und sein geräumiges Restaurant in...

Da steht er nun wieder, und bitte: geht doch. Markus Semmler hat allerhand hinter sich, worauf auch das ergraute Haar hindeutet, und er möchte sicher nicht mehr die Küchenwelt komplett aus den Angeln heben wie vor rund 15 Jahren. Aber die eine oder andere Auszeichnung ...

Semmler war einer, der im Berlin der späten Nachwendezeit hoch gehandelt wurde. Er kam über Cecilienhof ins Schlosshotel Grunewald, eröffnete dann seine „Mensa“ am Lützowplatz und nutzte den Rückenwind gleich noch, um Ende 1999 auch dem „Stilwerk“ in Charlottenburg ein Top-Restaurant einzupflanzen; am Herd stand ein gewisser Ralf Zacherl, Dominique Metzger machte den Service.

Dann folgte ein zügiger Absturz, wohl das Werk eines intriganten Geschäftspartners, und mit dem Imperium war es zu Ende. Semmler tauchte mal hier und mal da auf, versuchte sich ausgerechnet an der Sylter „Sturmhaube“. Nebenher lief das Catering-Geschäft aber ganz gut, und dann war da jetzt plötzlich das Restaurant in der Nähe vom Olivaer Platz, das schon viele Köche gesehen hat – aber noch nie einen so guten.

Semmler ist einer dieser raren Instinktköche, bei denen erst mal alles schmeckt, und die handwerklich kein Vertun kennen. Vor allem die altmodisch tiefgründigen Fleischsoßen sind eine Klasse für sich und lohnen schon allein den Besuch. Doch nun hat er natürlich Witterung aufgenommen und schaut längst auch bei den besternten Kollegen, wie die es denn machen und ob sich da was abgucken ließe. Gegenwärtig erlebt ihn der Gast also auf einer spannenden Gratwanderung zwischen Vernunft und Experiment, die einen Besuch schon wegen der angemessenen Preise lohnt.

Und auch die neue Restaurantleiterin Andrea Güttes, die vorher in gleicher Position im „Fischers Fritz“ war, deutet an, wohin die Reise gehen könnte. Doch die Kraft liegt auch in der Ruhe: Der neue Semmler leistet sich den kräftesparenden Luxus, das Restaurant am Sonnabend und Sonntag zu schließen.

Was natürlich nicht für die Teilnehmer unseres Workshops gilt, denen der Meister zwei Sonntage widmet. Entspannt wird es dabei zugehen – aber doch auch so konzentriert, dass das Ostermenü sich hinterher wie von selbst erledigt.

„Das Restaurant“ Markus Semmler, Sächsische Str. 7, Wilmersdorf, Tel. 8906 8290, nur Abendessen, Sa/So geschlossen.

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