Berlin : Eine Kreuzberger Glaubensfrage

Islamistische Sekte oder liberaler Verein? Die Gruppe, die auf dem Bolle-Gelände eine Moschee bauen will, steht in der Kritik

Lars von Törne

Verbirgt sich hinter dem Verein, der an der Skalitzer Straße in Kreuzberg eine Moschee bauen will, eine islamistische Sekte, die ihre Missionsarbeit ausweiten will? Oder ist die Gruppe vielmehr „liberal“, wie es ihr Kreuzbergs Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) attestiert? Auch zwei Tage nach der Ankündigung des „Islamischen Vereins für wohltätige Projekte“, an der Skalitzer Straße in Kreuzberg eine siebenstöckige Moschee bauen zu wollen, gehen die Darstellungen über die Gruppe weit auseinander.

„Der Verein strebt einen islamischen Staat an und will dies durch massive Missionsarbeit erreichen“, sagt ein Islamwissenschaftler und Kenner der Gruppe dem Tagesspiegel. Seinen Namen will er aus Angst vor Repressionen nicht in der Zeitung lesen. „Diese Leute vertreten sehr strenge, intolerante Normen, halten ihre Koranauslegung für die einzig richtige und sind bei weitem nicht so liberal, wie sie sich darstellen.“ So würden Frauen, anders als in der Selbstdarstellung des Vereins, keineswegs als gleichberechtigt angesehen. Das gehe so weit, dass Mädchen nicht die Hausschuhe ihrer Brüder oder Väter tragen und Frauen keine Gurken kaufen dürften – wegen möglicher sexueller Konnotationen. In der Moschee, die die Gruppe im Hinterhof der Skalitzer Straße 30 betreibt, werde gegen Integration und westliche Werte gepredigt, berichtet der Experte, der dort häufig die Gebete besucht habe. Das gehe soweit, dass Jugendlichen gesagt werde, sie dürften „Ungläubige“, also Christen, bestehlen. Kritiker der Gruppe, sagt der Kenner, würden mit Psychoterror und in Einzelfällen gar mit der Androhung von Gewalt eingeschüchtert.

Birol Ucan vom Vorstand des Vereins weist diese Kritik als Verleumdung zurück. Zwar sei es tatsächlich das Ziel der Gruppe, „die islamische Lehre zu verbreiten“ und vor „falschen Gruppen“ zu warnen. Das meine jedoch militante Islamisten wie die Moslembruderschaften, die von Saudi Arabien unterstützten Wahabiten oder die Gruppe Hizb ut-Tahir, die kürzlich in der TU gegen Israel agitierte. Ansonsten steht der Verein für einen offenen Kontakt mit Christen, Juden und anderen Gruppen. „Wir wollen das Zusammenleben mit den Deutschen fördern“, sagt Ucan. Es gebe keine Vorschriften des Vereins, die dem widersprächen. Und auch die strengen Vorschriften für Frauen seien schlicht üble Nachrede anderer, islamistischer Gruppen.

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