Berlin : Eine Krise vor dem Besuch von Erdogan

Suzan Gülfirat

Wie türkische Zeitungen über den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten in Berlin berichtet haben.

Am heutigen Montag wird der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan in Berlin landen. Am Dienstag trifft er sich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, auch ein Besuch der Friedrich-Ebert-Stiftung ist geplant und eine Visite im „Türkischen Haus“ der Türkischen Botschaft an der Urania in Schöneberg. Dort soll Erdogan mit Vertretern von türkischen Vereinen und Organisationen zusammentreffen, die in Berlin ansässig sind.

Um diesen letzten Programmpunkt gab es jedoch schon lange vor Erdogans Abflug einen handfesten Streit – denn auf der Gästeliste des Türkischen Hauses stand auch Yavuz Karahan, der Generalsekretär der vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation Milli Görüs. Seit Donnerstag berichten türkische Zeitungen sowohl auf ihren Titelseiten, als auch auf den ersten Seiten der Europa-Beilagen darüber. „Einladung-Krise“, stand in der Milliyet und die Hürriyet wunderte sich über diesen „interessanten Namen auf dem Protokoll“.

Nach den Berichten in der Milliyet war es keine eigene Idee der Botschaft, Karahan einzuladen. Vielmehr sei es wohl so gewesen, dass der Vorschlag von der Vereinigung muslimischer Unternehmer „Müsiad“ und von Milli Görüs selbst kommt.

Die „Einladungs-Krise“ verdrängte fast die Nachrichten über den eigentlichen Besuch. Laut Milliyet ist sogar das türkische Innenministerium über die Berliner Pläne informiert worden. „Was hat er dort zu suchen?“, zitierte am Freitag die Milliyet mehrere Vorsitzende von liberalen türkischen Vereinen. Aber auch der Europa-Abgeordnete Ozan Ceyhun (SPD) äußerte sich empört über diese Einladung und unterstellte der AKP-Partei von Tayyip Erdogan, die gemeinhin als gemäßigt gilt, eine Scheinheiligkeit. Sie verstecke lediglich ihre religiöse Gesinnung. Milliyet berichtete an dem Tag aber auch, dass Karahan sich bei der Botschaft beschwert habe, dass sämtliche Vereine, die unter dem Dach seiner Organisation stünden, geladen seien, er aber nicht dabei sein dürfte. Die Zeitung legte das so aus, dass Karahan wieder ausgeladen wurde.

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