Berlin : Eine kurze Affäre

Vor drei Jahren endete die Ära des Schweizer Botschafterpaars Borer-Fielding

Elisabeth Binder

In den Gründungsjahren der Berliner Republik waren sie zuständig fürs schrägbunt Schillernde: Es ist wirklich erst drei Jahre her, dass der damalige Schweizer Botschafter Thomas Borer-Fielding und seine texanische Ehefrau Shawne landesweit die besten Lieferanten für Small-Talk-Themen waren. Ostersonntag 2002 rollte das mit Glamour, Politik, Sex und Crime angereicherte Realitydrama der damals schon heftig kränkelnden Spaßgesellschaft mit viel Theaterdonner in die Endrunde.

Begonnen hatte es bereits kurz nach dem Regierungsumzug im Herbst 1999. Damals gelangten Fotos von einer privaten Party bei einem bekannten Friseur in die Magazine, die Borers in ausgefallener Kostümierung zeigten. Eine weitere Geduldsprobe für den damaligen Schweizer Außenminister, dem obersten Chef eines der weltweit konservativsten Diplomatischen Corps, folgte, als sich Shawne Fielding, Schauspielerin und ehemalige Miss Texas, in aufregend minimalen Outfits im altehrwürdigen Botschaftsgebäude für die Illustrierte Max fotografieren ließ.

Zum Nationalfeiertag am 1. August 2001 ließen der Botschafter über der Nationalgalerie eines der größten privaten Feuerwerke zünden, die Berlin je gesehen hatte. Unter den 1500 geladenen Gästen des Abends galt es als nicht übertrieben, für die eidgenössische Riesensause den Urlaub verschoben zu haben. Damals war die Welt noch vergleichsweise heil. Gute wirtschaftliche Zeiten waren erinnerbar, kurz vor dem 11. September galt unbefangener Hedonismus als durchaus salonfähig. Allerdings war die Schweizer Boulevardpresse dem konfliktfreudigen Ausnahmediplomaten schon lange auf den Fersen. Gerade noch mit dem Orden „Wider den tierischen Ernst“ ausgezeichnet, holte der Ernst des Boulevards ihn ein.

Ostern 2002 machte der „Sonntagsblick“ mit der Zeile „Borer und die nackte Frau“ auf. Die Story handelte von einer angeblich außerehelichen Affäre des Botschafters mit einer schwarzmähnigen Parfümverkäuferin namens Djamila. Auf Mauritius, wo Borers gerade Urlaub machten, brach umgehend die Hölle los, aber der sonst so extrovertierte Diplomat igelte sich ein. Weder gab er den eigens wegen des Skandals eingeflogenen Reportern Interviews noch folgte er dem Rückruf seines Außenministers. Der verkündete kurz nach den Feiertagen Borers Versetzung aus Berlin. Der Botschafter vermisste Loyalität, plädierte auf unschuldig und quittierte seinerseits den diplomatischen Dienst, um fortan als Unternehmensberater tätig zu sein. Das Paar ließ sich für eine Weile in Potsdam nieder, in der Villa Kampffmeyer, einst Schauplatz für den Austausch von Spionen.

Nach zahlreichen Fotostrecken in auflagenstarken Klatschblättern erklärte die angebliche Gespielin Djamila vollkommen gegensätzlich zu ihren ursprünglichen Versicherungen, nie eine sexuelle Beziehung mit Borer gehabt zu haben. In der Zwischenzeit hatte sie sich die Nase richten lassen und eine Affinität zu Designerkleidung entwickelt. Der für die Story verantwortliche Sonntagsblick-Chefredakteur musste gehen, an den ehemaligen Botschafter wurde ein Millionenbetrag gezahlt. In der Villa Kampffmeyer gab es nach einem Notruf der Hausherrin im Sommer 2002 einen nächtlichen Polizeieinsatz, bei dem eine Schweizer Armeepistole bei Borer gefunden wurde.

Shawne Fielding, heute 35, brachte im Frühjahr 2003 in ihrer texanischen Heimat Sohn Roman zur Welt. Kurz vorher hatte ihr Ehemann in Berlin sein Buch zum Skandal vorgestellt: „Public Affairs“. Ihren Wohnsitz in Potsdam gaben Borer-Fieldings Ende 2003 auf, um fortan in der Schweiz und den USA zu leben. In den wilden Jugendnächten der Berliner Republik hätte kaum jemand gedacht, dass es so schnell still werden könnte um das glitzernde Paar. Aber damals lag es nahe, die Zeichen an der Wand ganz falsch zu lesen: als Spaß ohne Ende. Heute gibt es praktisch keine gesellschaftlichen Ereignisse mehr, bei denen es reicht, auffallend aufzutreten. Gefeiert wird fast nur noch sinnvoll und für gute Zwecke.

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