Berlin : Eine lange Nachtmusik

Am Sonnabend öffnen die Berliner Museen wieder bis 2 Uhr. Es gibt jede Menge zu sehen – und zu hören

Sebastian Leber

Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nicht an, findet Conny Restle. Der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart ist zwar schon am Freitag, aber weil die Lange Nacht der Museen nun mal am Sonnabend stattfindet, hat Restle umgeplant: „Das bringt uns mehr Öffentlichkeit.“ Conny Restle ist Direktorin des Musikinstrumenten-Museums in der Tiergartenstraße, und im Rahmen der 19. Museumsnacht wird sie die Ausstellung „Mozart – auf der Suche nach Klang“ eröffnen. Ausgestellt werden historische Musikinstrumente wie die Glasharmonika, das Bassett-Horn oder die drei Meter hohe Flöten-Uhr, die Musik macht, wenn der Zeiger auf zwölf Uhr steht. Mit diesen Instrumenten hat Mozart experimentiert, sagt Restle. Zur Langen Nacht erwartet die Direktorin rund 2000 Besucher, wobei die Hälfte davon sicher „noch nie einen Fuß in unser Museum gesetzt hat“. Insgesamt werden am Sonnabend wohl wieder 50 000 Menschen zwischen 18 und 2 Uhr von Museum zu Museum pendeln. Und weil das Motto dieses Mal „Kulturelle Vielfalt“ heißt, nehmen auch acht Kulturinstitute teil. Dementsprechend international ist das Programm: Im Schloss Charlottenburg gibt es eine venezianische Hochzeitsfeier, im Museum Dahlem wird der japanische Butoh-Tanz vorgeführt und das Feuerwehrmuseum zeigt Helme und Uniformen aus Übersee.

5,2 Museen sieht sich der Durchschnittsbesucher in einer Nacht an, zu Beginn der Reihe waren es weniger als vier. „Das liegt aber nicht daran, dass die Besucher hektischer oder oberflächlicher geworden sind“, sagt Wolf Kühnelt vom veranstaltenden Museumspädagogischen Dienst. Sondern an den immer besseren Verkehrsverbindungen und der höheren Museumsdichte. Obwohl sich das Lange-Nacht-Konzept in Berlin längst etabliert hat, muss sich Kühnelt immer wieder anstrengen, um die einzelnen Häuser zur Teilnahme zu bewegen. Das liege vor allem daran, dass es immer noch Kritiker gibt, die jede Art von Großveranstaltung im Kunstbereich ablehnen: „Die glauben, sie könnten die Qualität von Kultureinrichtungen daran messen, dass niemand hingeht.“ Und weil es solche Stimmen gibt, muss Kühnelt jedes Jahr „viele Tassen Bohnenkaffee mit verunsicherten Museumsdirektoren trinken.“ Conny Restle vom Musikinstrumenten-Museum freut sich auf die Schlange stehenden Menschenmassen: „Kultur sollte niemals elitär sein.“ Außerdem müsse man sich als Direktorin ja nicht gleich prostituieren. „Wir verteilen hier bestimmt keine Mozartkugeln.“

Mehr als 100 Berliner Museen und Kulturinstitute hat Kühnelt für die 19. Lange Nacht zusammenbekommen. Eine persönliche Empfehlung, was man auf keinen Fall verpassen darf, mag Kühnelt nicht abgeben. Aus gutem Grund. Vor einer früheren Langen Nacht hat ein Kollege einen „Geheimtipp“ ausgeplaudert: eine Lesung von Wolf Biermann in der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Zu der Veranstaltung kamen dann zweitausend Besucher. Und der Saal hatte 80 Sitzplätze.

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