Berlin : Eine Murmelbahn der Mode

Im Rahmen der Berliner Modemessen präsentierte sich Hugo Boss in der Deutschen Oper mit einer spektakulären Inszenierung

Grit Thönissen

Kein roter Teppich, kein Blitzlichtgewitter vor der Deutschen Oper, auch das Foyer im Dunkeln. Dass hier an diesem Freitagabend die wohl aufwändigste Modenschau, die Berlin je erlebt hat, stattfinden würde, war von außen nicht zu erahnen. Das Metzinger Modeunternehmen Hugo Boss lotste die 950 geladenen Gäste stattdessen durch den Hintereingang.

Die anfängliche Bescheidenheit war allerdings Teil einer Dramaturgie, an deren Ende man auf die schwarz glänzende Bühne – mit 1720 Quadratmetern die größte Europas – gelangte. Da Boss seinen Ruf als, zumindest in Umsatzzahlen gemessen, bedeutendstes deutsches Modeunternehmen zu verteidigen hat, wurden gleich hinter dem Pförtnerhäuschen geklotzt statt gekleckert. Schließlich sind an diesem Wochenende wegen der drei Modemessen Bread & Butter, Premium und B-in-Berlin die wichtigsten Modefachleute aus dem In- und Ausland in der Stadt.

Dazu gehörten auch die zahlreich geladenen Prominenten, von Sportlern wie Mika Häkkinen und den Klitschko-Brüdern über Schauspielerinnen wie Jessica Schwarz und Sibel Kekilli bis zu der extra eingeflogenen, von Fotografen umlagerten Hollywood-Schönheit Cate Blanchett und dem optisch dazu passenden Schauspieler Rupert Everett. Und wen man auch fragte – alle trugen sie an diesem Abend Boss.

Bevor man mit Longdrinks und Fingerfood bedient wurde, führten Hostessen durch eine Geisterbahn aus Theaterkulissen auf die Hinterbühne. In den Gängen und Werkstätten der Oper war ein Labyrinth aus mannshohen Buddha-Skulpturen, mit Kostümen gefüllten Schrankkoffern, lebensgroßen Papppferden, einem blinkenden Eiffelturm und ineinander verschachtelten Bühnenbildern aufgebaut worden – all das nicht etwa aus dem Opernfundus, sondern eigens für den Abend herbeigeschafft.

War man schließlich von hinten auf die Bühne gelangt, blieb der Zuschauerraum hinter schwarzer Gaze unsichtbar. Die Gäste saßen, als Teil der Inszenierung, direkt auf der Bühne. Auf einen Laufsteg hatten die Organisatoren verzichtet – stattdessen senkte sich erst eine steile Wendeltreppe von der Decke, dann eine Art Stiege aus schrägen Flächen, die einer gigantischen Murmelbahn glich. Schon schwebten darauf die Models herab – in zarten Chiffonkleidern, schmal geschnittenen Kostümen und weich fallenden Blusen, erst in Creme-Tönen, dann in immer kräftigeren Farben wie Türkis und Fuchsienrot. Beklatscht wurden vor allem die perfekt sitzenden Anzüge – für die Boss bei hiesigen Bankangestellten ebenso wie im fernen Hollywood berühmt ist.

Aus der Tiefe der Hinterbühne schoben sich nun fünf silbern glitzernde Tore in den Raum, durch die Frauen im kleinen Schwarzen und Männer in weißen Jacketts schritten. Zum Finale wurde der Blick auf den Zuschauerraum samt eines frenetisch applaudierenden Statisten-Opernpublikums frei, das sich verhielt, als habe es mindestens eine Weltpremiere gesehen – während es doch nur rund 20 Models, die Chefredakteurinnen der deutschen Modemagazine, wichtige Boss-Kunden und die erwähnten Promis vor sich hatte.

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