Berlin : Eine neue Straße für den künftigen Hauptbahnhof

Weitere Ost-West-Verbindung wird heute eröffnet. Geplante Bauten im Umfeld lassen auf sich warten

Klaus Kurpjuweit

Es ist eine kleine Straße, die heute eröffnet wird, aber sie kann eine große Wirkung haben. Mit ihr nämlich gibt es vor dem künftigen Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof eine weitere Ost-West-Verbindung in der Stadt. Sie führt von der Reinhardtstraße und dem Schiffbauerdamm im Osten über die neue Hugo-Preuß-Brücke am Humboldthafen (Punkt 1 im Luftbild rechts) zum Straßenzug Alt-Moabit im Westen. Zudem erschließt die Straße den südlichen Vorplatz des Hauptbahnhofs.

Viel mehr als die Straße und den Platz werden Fahrgäste in der unmittelbaren Umgebung auch nicht sehen, wenn sie nach der für Sommer 2006 geplanten Eröffnung des Bahnhofs das Supergebäude verlassen. Es wird zumindest die nächsten Jahre in einem städtebaulichen Niemandsland liegen. Nur zwei große Plätze auf der Nord- und Südseite wird es geben. Die Anfang der 90er Jahre entwickelten Pläne des Architekturbüros O. M. Ungers für ein „multifunktionales Bahnhofsquartier“ mit Geschäfts,- Büro- und Wohnbauten sind bisher Makulatur geblieben. Für keines der vorgesehenen Gebäude gibt es einen Bauherrn. Die meisten Grundstücke gehören der bundeseigenen Immobiliengesellschaft Vivico.

Sie will erst bauen, wenn es Nutzer für die Gebäude gibt, die im Umfeld des Bahnhofs entstehen sollen (Punkt 2 und 3 im Luftbild) . Das Zögern hat auch den Bau der geplanten S-Bahn S 21 vom Nordring zum Hauptbahnhof gebremst. Über dem S-Bahn-Tunnel soll ein Hochhaus entstehen (Punkt 4 im Luftbild). Weil noch kein Interessent gefunden wurde, ist auch unklar, ob das Gebäude 100 Meter oder 150 Meter hoch werden soll. Doch erst wenn die Höhe feststeht, kann mit dem Tunnel für die S-Bahn auch das Fundament für das Gebäude errichtet werden. So muss auch die S21 mindestens bis Mitte 2006 warten, ehe die Arbeiten für die planfestgestellte Strecke beginnen können. Vivico hofft, dass der Bahnvorstand in das Hochhaus zieht. Doch die Bahn will bisher nur einen der beiden Gebäuderiegel nutzen, die derzeit über der gläsernen Halle des Bahnhofs entstehen, wo heute noch eine Lücke klafft (Punkt 5 im Luftbild) .

Die zwei Riegel überspannen die Enden des vorhandenen Daches in Nord-Süd-Richtung und symbolisieren die unmittelbar darunterliegende neue Tunnelstrecke für die künftige Nord-Süd-Verbindung. Derzeit wachsen die vier Türme in die Höhe, die später die so genannten Bügelbauten über den Gleisen tragen werden. Der Boden für die Bügelbauten wird dabei zunächst auf diesen Türmen senkrecht in die Höhe gebaut. Im Sommer folgt dann der große Coup: Jeweils zwei der Konstruktionen auf der Nord- und Südseite werden gegeneinander gekippt und senken sich dann wie eine Klappbrücke um 90 Grad, bis sie ihre künftige Lage über den Gleisen erreichen. Sind sie auf einer Ebene, werden sie hydraulisch zusammengeschoben.

Zumindest einen dieser Bügel will die Bahn selbst nutzen. Die Suche nach anderen Mietern war vergeblich. Den anderen Teil soll ein Hotel übernehmen, hofft Bahnchef Hartmut Mehdorn. Dann würde es zumindest ein wenig städtisches Leben geben, wenn der Bahnhof, dessen gesamte Anlage mehr als 500 Millionen Euro kosten wird, zur Fußballweltmeisterschaft im nächsten Sommer den Betrieb aufnehmen wird.

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