Eine Schwester für zwölf Patienten : Pfleger an der Charité wollen streiken

Die zuständige Tarifkommission der Pflegekräfte an der Charité will zu einem Warnstreik aufrufen. Kommt keine Schlichtung, müssten bald Stationen gesperrt werden.

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Krankenpflege ist ein harter Job. In vielen Kliniken fordern die Beschäftigten mehr Personal.
Krankenpflege ist ein harter Job. In vielen Kliniken fordern die Beschäftigten mehr Personal.dpa

Die Charité steht vor einem Arbeitskampf. Am Dienstag hat sich die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi dazu entschlossen, Schwestern und Pfleger für kommenden Montag dazu aufzurufen, die Arbeit niederzulegen. Das bestätigte auch ein Personalrat. Nach Tagesspiegel-Informationen ist dem Vorstand der Universitätsklinik eine Liste mit den Stationen zugegangen, die wegen des Warnstreiks geschlossen werden müssten.

Streit an vielen Fronten

Der Charité-Vorstand verhandelt derzeit nicht nur mit Verdi unter Hochdruck. Er muss dem Senat auch erklären, warum kürzlich entdeckte 40 Millionen Euro nicht korrekt verbucht wurden. Wie berichtet, hat die Helmholtz-Gemeinschaft daraufhin gedroht, ihre Mittel für ein Charité-Tochterinstitut zu sperren. Ein Arbeitskampf kommt da ungelegen.

Verdi fordert: eine Schwester für fünf Patienten

Hintergrund der Tarifrunde ist die Debatte um Fachkräftemangel in Krankenhäusern. Die landeseigene Charité verhandelt seit Monaten mit Schwestern und Pflegern um mehr Personal. Derzeit betreut eine Schwester in der Normalpflege im Schnitt zwölf Patienten. Verdi fordert einen Personalschlüssel von einer Schwester auf fünf Patienten, in der Intensivpflege sollen es eins zu zwei werden. Außerdem pocht Verdi unter dem Motto „Keine Nacht allein“ darauf, dass in der Nachtschicht auf jeder Station mehr als eine Pflegekraft im Dienst ist.

Charité braucht Geld von den Krankenkassen

Die Charité-Leitung äußerte sich am Dienstag nicht. Ein Kliniksprecher sagte kürzlich, man sei zuversichtlich, dass man sich mit Verdi einige. Die Charité-Leitung könnte einen Schlichter anrufen. Eine Schlichtung wäre gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, ist bei Tarifrunden aber üblich. Sollte ein Schlichter angehört werden, muss seine Empfehlung nicht bindend sein.

An der Charité arbeiten 4200 Pflegekräfte. Für mehr Personal bräuchte die Klinik mehr Geld von den Krankenkassen. Die zahlen allerdings weitgehend gedeckelte Pauschalen.

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