• Eine sichere Geldquelle sprudelt nicht mehr Ein Berliner Mittelständler bangt um seine Millionen,

Berlin : Eine sichere Geldquelle sprudelt nicht mehr Ein Berliner Mittelständler bangt um seine Millionen,

die er in Immobilienfonds der Bankgesellschaft gesteckt hat

Ulrich Zawatka-Gerlach

Sein gesamtes Vermögen hat Bernd N. in zwei Immobilienfonds gesteckt. Mehrere Millionen Euro. Aber „Deutschland 1“ und „Deutschland 2“ sind zum Problem geworden, und die Fondsverwaltung in Nürnberg teilte dem mittelständischen Unternehmer aus Berlin mit, dass die anstehende jährliche Ausschüttung (fast 61 000 Euro Zinsen) „mangels ausreichender Liquidität derzeit nicht möglich ist“. Herr N. war schockiert. Das treibe ihn in den Ruin. Die Fondsanteile hat er 1999 bei der Sparkasse erworben. Sie gehören zu jenen Immobiliengeschäften, die der Bankgesellschaft Berlin zum Verhängnis wurden und an denen die Steuerzahler bis 2030 schwer zu tragen haben.

„Außergewöhnliche Ertragspotenziale und ein umfangreiches Sicherheitskonzept“ hatte die „Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft“ (IBV), die zur Bankgesellschaft gehört, den gut betuchten Anlegern einst versprochen. Garantiert wurden sichere Mieteinnahmen und die Rücknahme der Immobilien nach 25 Jahren zum Einstandspreis. Die IBV und somit der Bankenkonzern übernahmen dafür die finanzielle Haftung. Als die Bankgesellschaft 2001/02 in gefährliche Schieflage geriet, musste das Land Berlin alle Risiken übernehmen. Dazu gehörten vor allem die Einnahmeausfälle aus den geschlossenen Immobilienfonds. Vermögensanlagen, die von der IBV ehemals als „steuerlich interessant“ und wegen ihrer angeblichen Sicherheit sogar als „Teil ihrer Altersversorgung“ angepriesen wurden.

Für die Fonds des Bernd N. wurden jährliche Gewinnausschüttungen von 5,5 bis 7 Prozent angekündigt. Einzelhandelsobjekte, Büros und Wohnanlagen, Seniorenheime, Ärztehäuser, Hotels und Kino-Center, quer verteilt über die Republik, sollten das Geld in die Scheuer fahren. Aber daraus wurde nichts. Den Immobilientöchtern der Bankgesellschaft hilft es nicht mehr, dass unabhängige Rating-Agenturen ihre Fonds, darunter „Deutschland 1“ und „Deutschland 2“, als „sehr gut“ eingestuft hatten. Die Mieteinnahmen liegen bis zu 40 Prozent unter Plan, die Kosten für die notwendige Sanierung der Objekte drücken und die Fonds verfügen über lächerlich geringe liquide Mittel. Darum hat sich Herr N., der in Berlin einen Handwerksbetrieb führt, bisher nicht gekümmert. Er rechnete fest damit, dass notfalls der Senat einspringen wird.

Jetzt schickte ihm die IBV schlechte Nachrichten: Die „Garantin“, gemeint ist das Land Berlin, habe bisher keine Zahlungen aus den Höchst- und Mietpreisgarantien geleistet. Außerdem drängten die Gläubigerbanken der Fondsgesellschaft „massiv auf die weitere Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen, zeitweise unter Hinweis auf eine mögliche Kreditkündigung“. Die Deutsche Kreditbank, bei der die IBV in der Kreide steht, habe ausdrücklich „zum Ausschüttungsverzicht“ aufgefordert. Solche Briefe machen Bernd N. Angst. Es sei „eine bodenlose Frechheit“, dass der Senat nicht helfe. Das sei ein vertragswidriges Verhalten.

Doch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) spielt auf Zeit und prüft die Anträge der Fondsverwaltungen – inzwischen fast 400 – in aller Ruhe. Bis 2006, so lautete die erste Prognose der Finanzverwaltung, müssen 660 Millionen Euro für die Immobilien-Abenteuer der Bankgesellschaft ausgezahlt werden. Sarrazin bemüht sich offenbar, die Forderungen auf ein Minimum zu drücken, um den Landeshaushalt zu entlasten. Die IBV, so erfuhr Herr N., hat beim Landgericht Berlin derweil Klage eingereicht, um die Auszahlung der Gelder für 2002 und 2003 zu erzwingen. Die Finanzverwaltung wollte dazu noch nicht Stellung nehmen. „Das ist eine komplizierte Angelegenheit“, bat Sarrazins Sprecherin Sandra Hildebrand um Geduld.

Für Mittelständler N., der sein Geld so sicher wie in Abrahams Schoß angelegt sah, bricht eine Welt zusammen. Er hat auf eine automatische hohe Verzinsung der Immobilienfonds gesetzt. Und darauf, dass der Senat „als Garantiegeber“ sofort einspringt, sollten die Häuser und Grundstücke selbst nichts hergeben. Momentan geraten zahlreiche Anleger in Panik. Viele wollten vor Gericht eine Rückabwicklung ihres Immobilien-Engagements erreichen, berichtet das Manager-Magazin in seiner heutigen Ausgabe. Herr N. weiß nicht, was er tun soll. Er bereut nur zutiefst, die Fonds gezeichnet zu haben.

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