Berlin : Eine Stadt schlägt Rad

Nach Londoner Vorbild: Am Gleisdreieck plant Info-Box-Erfinder Nishen das größte Riesenrad der Welt

Christoph Villinger

Wird man in wenigen Jahren in einem Riesenrad den Himmel über Berlin berühren können? Der Berliner Konzeptplaner Dirk Nishen bestätigte gestern entsprechende Pläne. „Das größte Riesenrad der Welt“ soll mit einer Höhe von 150 Metern auf dem Gleisdreieck in der Nähe des Deutschen Technik Museums entstehen. „Seit einigen Monaten führen wir intensive Gespräche mit dem Land Berlin“, sagt er, insbesondere mit dem Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD). Es liege schon ein konkreter Entwurf auf dem Tisch, „der vom TÜV überprüft worden ist“. Auch zeige sich eine ausländische Investorengruppe sehr interessiert an dem Projekt.

„Das ist eine Superchance für Berlin“, sagt Nishen. Die Attraktion werde viele Touristen zusätzlich in die Stadt locken. Deshalb ist er sehr zuversichtlich, dass das Projekt sich rechnet. Doch mehr will er nicht verraten, solange das Konzept mit dem Land Berlin, dem Bezirk und dem Technik-Museum noch nicht endgültig abgestimmt sei.

Nishen hat sich bisher in Berlin einen Namen als Buchverleger gemacht. Auch gilt er als Erfinder der Info-Box am Potsdamer Platz und entwickelte das Konzept der Ausstellung „Story of Berlin“ im Kudamm-Karree. Damit habe er bewiesen, „dass meine Projekte alle Hand und Fuß haben“, sagte Nishen.

Das bis heute größte Riesenrad der Welt dreht sich seit Februar 2000 an den Ufern der Themse in London. Mit einer Höhe von 135 und einem Durchmesser von 120 Metern braucht das so genannte „Eye of London“ für eine ganze Runde etwa eine halbe Stunde. Aus 32 Gondeln kann man einen einzigartigen Ausblick auf London genießen. Die Glaskabinen bieten Sitzplätze für 25 Personen und werden mit Hilfe von zwei Elektromotoren in Rotation versetzt, wobei die Passagiere immer in der Vertikalen blieben. Ein- und Aussteigen ist ohne Halt möglich, da sich das Riesenrad kontinuierlich in einer langsamen Schrittgeschwindigkeit dreht. Das überwiegend von British Airways finanzierte Projekt wurde nach einem Entwurf des Architektenehepaares Julia Barfield und David Marks gebaut. Obwohl das Ticket für einen Erwachsenen zehn Euro kostet, ist der Andrang enorm. Die Fahrkarten müssen teilweise etliche Tage im Voraus gebucht werden. Der Bau des „Eye of London“ war allerdings von zahlreichen technischen Schwierigkeiten begleitet. Im September 1999 gelang es zunächst nicht, das 1500 Tonnen schwere Bauwerk rechtzeitig zur Millenniumsfeier aufzustellen.

Doch technische Probleme sieht der Kreuzberger Nishen nicht. „Wir haben da einige Fachleute aus dem Bereich Riesenradbau mit im Boot.“ Auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung des zuständigen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg stieß das Projekt allerdings auf eine gewisse Skepsis. „Uns bleibt auch nichts erspart“, stöhnte ein Bezirksverordneter, als Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) das Projekt kurz vorstellte. Konkretere Pläne werde es aber erst Ende Januar geben, sagte Schulz. Dann könne es auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Besonders die enge Abstimmung mit den Anwohnern liegt Dirk Nishen am Herzen. Er verspricht auch gleich, dass der Rad im Betrieb „praktisch lautlos sei“. „Wir wollen das Riesenrad mit den Berlinern entwickeln, und nicht gegen die Berliner, wie damals die Olympiabewerbung.“

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