Berlin : Eine Stimmung zum Abheben

400 000 Besucher beim Red Bull Air Race sind begeistert von den Flugkünsten

Daniela Martens

Gut, dass es große Väter gibt. Die sechsjahrige Meike sitzt auf Papas Schultern und blickt in die Wolken. Irgendwo aus dem verhangenen Himmel muss gleich der erste Flieger des Luftrennens auftauchen. Papa Norbert Mett ist 1,93 Meter groß und ragt auch ohne seine kleine Reiterin aus der Menge auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof. Rund 400 000 Zuschauer sind nach Polizeiangaben am Sonnabend zum großen Rennen der kleinen Flugzeuge gekommen, dem Red Bull Air Race. Wie Norbert Mett haben viele Väter ihren Nachwuchs auf den Schulter. Schließlich sollen sie auch die tollkühnen Manöver der Piloten dicht über dem Boden verfolgen können.

Die zehnjährige Mathilda ist schon zu groß für Papas Schultern, „Guck mal, da, da oben isser“, ruft sie plötzlich aufgeregt. Und zeigt mit ausgestrecktem Arm in die Wolken. Und richtig, im Sturzflug braust das erste Flugzeug auf den Hindernis-Parcours dicht bei den Zuschauern zu. „Smoke on“ tönt es aus dem Lautsprecher. Und dann quillt Rauch aus dem Hinterteil der kleinen Maschine. Sie rast zwischen zwei luftgefüllten Segeltuch-Kegeln hindurch, den so genannten Pylonen, die den Hindernis-Parcours bilden. Und kippt dann zur Seite, nur um steil nach oben zu ziehen. „Aijaijaijaijai“, ist aus der Menge zu hören. „Das ist viel spannender, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Mathilda begeistert.

Skeptische Stimmen sind kaum zu hören. Ihn störten die Flugzeuge nicht, sagt ein Anwohner im Peter-Strasser-Weg, direkt am Eingang zum Event. Und von seinen Nachbarn habe er auch nichts Negatives gehört. Nur die vielen Fahrräder seien etwas nervig. Auch Angst hat anscheinend niemand. Die Sicherheitsvorkehrungen finde sie vertrauenerweckend genug, der Sicherheitsabstand sei ausreichend, sagt Sigrid Löper. Sie steht unter einem der großen Lautsprecher-Türme, direkt an der Absperrung. Musik und Ansagen sind hier ohrenbetäubend. Die Flugzeuge rasen an dieser Stelle für einen kurzen Moment direkt auf die Zuschauer zu. „Die Atmosphäre ist toll“, sagt sie und schwenkt ein Deutschland-Fähnchen aus Papier. Denn jetzt kurvt gerade der Berliner Pilot Klaus Schrodt durch den Parcours. „Vorher kannte ich ihn gar nicht, aber jetzt bin ich ein Fan“, sagt sie. Direkt vor ihr schießt das kleine Flugzeug senkrecht in die Höhe.

An der Absperrung bei der Ausstellung mit Oldtimer-Flugzeugen drängeln sich die Schaulustigen. „Mit so einer bin ich schon mal geflogen“, sagt die 56-jährige Großmutter Christine Preuss. Das sei ein Geschenk zum Muttertag gewesen. „Ich würde zu gerne auch mal in so einem kleien Kunstflugzeug ein paar Loopings drehen“, sagt sie. Das sei doch bestimmt nicht schlimmer als in der Achterbahn.

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