Berlin : Eine Tiefgarage ohne Autos

Großes Parkhaus unter dem Kulturforum wird als Depotraum genutzt – für den Architekten des Kammermusiksaals ein Fall für den Rechnungshof

Christian van Lessen

Unterm Tiergartener Kulturforum, fast direkt unter dem Kammermusiksaal, ist am nördlichen Ende der Tiefgarage eine Ampel installiert. Die Ampel hat in den 17 Jahren ihrer Existenz noch nie geleuchtet. Nicht einmal rot. Und die Pforte, die neben der Ampel die Zufahrt zu 200 weiteren Stellplätzen versperrt, ist noch nie für Autos geöffnet worden. „Ein Skandal“, sagt Elke Wisniewski, deren Mann den Kammermusiksaal gebaut hat. Sie glaubt, dass die blockierte Garage ein Fall für den Rechnungshof ist. Die nahen Staatlichen Museen nutzen einen Teil der Stellflächen als „dringend notwendigen“ Depotraum.

Zumindest weiß Elke Wisniewski, dass abendliche Besucher des Kammermusiksaals und der Philharmonie, oft bis zu 3000 Personen, nur zu gern mehr Platz für ihre Autos in der Tiefgarage hätten. Oben ist der Platz knapp, so dass oft nur der Tiergartenrand als Parkplatz bleibt. Über 100 Stellplätze liegen bequem erreichbar unterm Kammermusiksaal. Gut die doppelte Zahl, fast ebenso bequem platziert, liegt blockiert unter der „Piazetta“ vor der Gemäldegalerie.

Die Piazetta ist jene viel gescholtene Fußgängerrampe, die nach den Vorstellungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgerissen werden soll. Nur: Noch steht sie fest auf unabsehbare Zeit, und unter ihr befindet sich auf zwei Ebenen das Parkhaus, das so richtig seinen Sinn verfehlt hat. Auch wenn dort tagsüber wenigstens Autos von Museumsmitarbeitern parken können.

Um den „Schildbürgerstreich“ vorzuführen, bittet Elke Wisniewski zum Ortstermin. Dazu braucht sie vom Pförtner des Kammermusiksaals einen Schlüssel. Mit dem kann sie am Ende der Tiefgarage das Vorhängeschloss der breiten Pforte neben den toten Ampelaugen öffnen. Da müssen zwei Männer helfen, um den geheimnisvollen Zugang freizuschieben: Zu sehen ist eine rund 50 Meter lange unterirdische Straße, die in Richtung Museen führt. An den Wänden sind die Farben eines Leitsystems angebracht, damit sich Besucher der Tiefgarage zurechtfinden: gelb für die Philharmonie, dunkelrot für den Kammermusiksaal.

Die Farben wirken frisch, als seien sie eben erst gestrichen worden. Kein Besucher der Philharmonie und des Kammermusiksaals hat sie je sehen können, kein Auto ist hier je gerollt. Eine Investition, die sich bis heute nicht ausgezahlt hat. Die Autozufahrt wird von der Philharmonie genutzt – ebenfalls als Lagerfläche.

„Die Leute wollen rein“, sagt Elke Wisniewski, aber das Kulturforum werde eben politisch nicht geliebt, was sich auch in seinem Untergrund zeige. Wie das Beispiel der Tiefgarage zeige, überwiege seitens der Museen und des Senats „eine Form von Lustlosigkeit und Desinteresse“. Man werde die Depoträume auch weiterhin nutzen müssen, sagte Stefanie Hauer von den Staatlichen Museen. „Aus wirtschaftlichen Gründen“. Andernfalls müsse man externe Depots auflösen. Überlegungen, die Garage für die Autos der Besucher von Philharmonie und Kammermusiksaal zu öffnen, seien „nicht spruchreif“.

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