Berlin : Eine tödliche Liebschaft Prozess um Auftragsmord für Versicherungssumme

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Ein verarmter Moskauer reiste nach Berlin. Es ging um einen Partnerschaftsvertrag mit einer Frau, die er laut Anklage gar nicht kannte. Vladimir P., dessen Tage bis zu jener Fahrt im Juli 2000 oft nur im Alkoholdunst vergingen, soll mit Geld gelockt worden sein. Er wohnte bei der Dame, unterschrieb Verträge und kehrte als teuer versicherter Mann nach Moskau zurück. Zwei Monate später starb er bei einem Autounfall. Bereits am nächsten Tag meldete sich die 31-Jährige bei der Lebensversicherung des Getöteten, um 500 000 Euro zu kassieren.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Der 56-jährige Vladimir P. wurde Opfer eines Mordkomplotts, das in Berlin geschmiedet wurde. Seit gestern sitzt die gebürtige Russin Tatiana B. auf der Anklagebank. Die seit 15 Jahren in Berlin lebende Frau soll mit ihrem ebenfalls aus Russland stammenden Arbeitgeber Nikolaos K. und einem früheren Oberst der russischen Miliz dafür gesorgt haben, dass der verarmte Moskauer von gedungenen Killern getötet wurde: Laut Anklage fuhren sie P. mit einem gestohlenen Armee- laster nieder.

Die 31-jährige Reisekauffrau Tatiana B. ist eine streng wirkende Frau mit dunklen Haaren. Seit neun Monaten sitzt sie in Untersuchungshaft. Regungslos hörte sie die Anklage. Seine Mandantin werde vorerst schweigen, erklärte ihr Verteidiger. Im Ermittlungsverfahren soll sie erklärt haben, dass sie P. bereits seit 1980 kenne und ein Liebesverhältnis bestanden habe. Deshalb sei ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen worden.

Die Anklage aber geht von Mord aus Habgier aus. Tatiana B. und ihre Komplizen hätten verabredet, „einen älteren, bedürftigen Russen durch das Versprechen finanzieller Vorteile zu einer Scheinpartnerschaft zu bewegen“, heißt es in der Anklage. Der frühere Oberst habe P., seinen Nachbarn, als Opfer vorgeschlagen. Es sei von Anfang an geplant gewesen, den Mann zu versichern und dann umzubringen. Kurz vor dem tödlichen Unfall habe Tatiana B. per Kreditkarte für P. einen Fiat angemietet und zugleich Unfallversicherungen über weitere rund 500 000 Euro abgeschlossen. Der Ex-Oberst lockte P. laut Anklage schließlich mit dem Fiat in eine Gegend, in der die Killer mit dem Armeefahrzeug lauerten.

Die Lebensversicherung mit Sitz in Saarbrücken aber spielte nicht mit. Die Gesamtumstände des Todes seien „äußerst zweifelhaft“, hieß es. Tatiana B. zog vor Gericht. In einem ersten Prozess klagte sie mit Erfolg, verlor dann aber im Berufungsverfahren. Ihre Mutter war als Zeugin der angeblichen Liebesbeziehung aufgetreten. Nun sitzt die 61-Jährige wegen Falschaussage und Beihilfe zum Betrug mit auf der Anklagebank. Von den weiteren Verdächtigen fehlt jede Spur. K. G.

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