Berlin : Eine Welle der Hilfsbereitschaft

In Schönefeld startet Frachtmaschine nach Beslan Tschetschenen in Berlin trauern um Terroropfer

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Nach dem blutigen Terroranschlag auf eine Schule in Beslan rollt jetzt die Hilfswelle. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickt am Mittwochnachmittag ein Flugzeug mit Antibiotika, Verbandszeug und Blutersatzstoff von Schönefeld in den Kaukasus. Zahlreiche Hilfsorganisationen haben Konten eingerichtet (siehe Kasten). Die Evangelische Kirche BerlinBrandenburg und das Diakonische Werk riefen gestern ebenfalls zu Geldspenden für die Opfer auf.

Bei dem Geiseldrama in der Schule von Beslan waren in der vergangenen Woche nach offiziellen Angaben 335 Menschen getötet worden. Insgesamt wurden in den Krankenhäusern Russlands am Montag noch 565 Verletzte behandelt, unter ihnen 347 Kinder. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, nannte den Terroranschlag „eine nicht zu überbietende Menschenrechtsverletzung, die aufs Schärfste verurteilt werden muss“. Das Ausmaß des Terrors dürfe jedoch nicht dabei lähmen, nach Wegen der Hilfeleistung zu suchen, ergänzte Huber.

Genau das aber erweist sich als gar nicht so leicht. Versorgungstechnisch fehle es kaum an etwas, heißt es von russischer Seite. Das riesige menschliche Leid ist mit materiellen Gütern derzeit nicht zu lindern. So stellen sich auch Hilfsorganisationen wie der Paritätische Wohlfahrtsverband darauf ein, die Spendengelder größtenteils für die psychologische Betreuung der Traumatisierten auszugeben. Das russische Rote Kreuz hat seit Freitag 25 Psychologen am Ort.

Was Eltern durchmachen, die ihre Kinder verloren haben, erahnen nur die wenigsten. Und doch riss gestern die Schlange jener, die an der Russischen Botschaft Unter den Linden Blumen ablegten und sich in die Kondolenzliste eintrugen, nicht ab. Einige hatten auch Plüschtiere mitgebracht. Zur DeutschKaukasischen Gesellschaft in der Schönfließer Straße 21 in Pankow kamen gestern ebenfalls unentwegt Besucher. Der Vorsitzende Ekkehard Maaß erklärte Radio- und Fernsehsendern die Lage im Nordkaukasus: „Das Schicksal der Völker kann man vergleichen mit jenem der Indianer in Nordamerika.“ Seiner Auskunft nach leben in Berlin rund 350 tschetschenische Flüchtlinge sowie etwa 50 Tschetschenen, die hier verheiratet sind. „Ich habe noch keinen von ihnen gesprochen, der das blutige Geiseldrama nicht verurteilt hätte.“ Viele bedauern, dass die Öffentlichkeit Taten von Terroristen mit einem ganzen Volk assoziieren. Auch der im Exil lebende tschetschenische Sozialminister Apti Bisultanov war gestern zu Besuch in Pankow. Der Dichter liest beim Internationalen Literaturfestival am 28. September um 20 Uhr im Café Einstein Unter den Linden. Am morgigen Mittwoch lädt die Gesellschaft in die Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 in Tiergarten: Um 19 Uhr läuft der Dokumentarfilm „Disbelief“ von Andrei Nekrasov zu den Bombenanschlägen auf Wohnhäuser in Moskau und Wolgadonsk 1999. fk/kög

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