Berlin : Eine Zitterpartie für den Veranstalter

Annette Kögel

Silvester-Event mit Katarina Witt muss noch von der Denkmalbehörde genehmigt werdenAnnette Kögel

Die Eiskunstlauf-Fläche auf dem Gendarmenmarkt in Mitte anlässlich der offiziellen Silvesterfeier in Berlin ist wenige Tage vor dem geplanten Start zur Zitterpartie geworden. Landeskonservator Helmut Engel kritisiert, dass die veranstaltende "Silvester in Berlin" GmbH noch keine Genehmigung bei der Denkmalschutzbehörde beantragt hat. Der Geschäftsführer der Gesellschaft, Willi Kausch, verweist wiederum darauf, dass er seit zwei Jahren mit allen nur denkbaren Behörden verhandelt habe - Denkmalpflege sei nie ein Thema gewesen. Ob nun tatsächlich vom 10. Dezember 1999 bis zum 2. Januar 2000 an historischer Stätte eine illuminierte Eisfläche mit weißen Pagodenzelten entsteht, auf der Katarina Witt, andere internationale Weltstars sowie die Berliner ihre Runden drehen können, wird wohl der heutige Tag ergeben: Um 9 Uhr sitzen Hartmut Engel und Willi Kausch an einem Tisch.

Der Silvesterfeier-Vertrag zwischen dem privaten Veranstalter und den Bezirken Mitte und Tiergarten in Vertretung für das Land Berlin wurde, wie berichtet, im März unterzeichnet. Zu den Millennium-Feierlichkeiten gehören Veranstaltungen zwischen Großer Stern, Brandenburger Tor, Rotem Rathaus, Alexanderplatz - und der Eislauf-Event auf dem Gendarmenmarkt. Nach Auskunft von Mittes Bürgermeister Joachim Zeller hat der Bezirk die Eisbahn "im Rahmen des Gesamtpakets Silvester 2000 nicht gerade begrüßt, aber doch akzeptiert". Als Auflage bekam die Kausch-GmbH auf den Weg, es dürfe "keinen großen Budenzauber" geben. Dementsprechend habe man geplant, sagt Kausch, am 3. Dezember soll nun mit dem Aufbau begonnen werden: Die Erde unter der 50-mal-20-Meter-Kunsteisfläche soll mit einem speziellen Holzuntergrund geschützt werden. Die Eisbahn wäre jeweils rund 30 Meter von Dom und Schauspielhaus entfernt. Am Rand soll es in "eleganten weißen Zelten" Speisen und Getränke geben, Konzerte im Schauspielhaus werden auf einer Videowand nach draußen übertragen. Nach Wiener, New Yorker und Brüsseler Vorbild soll nun auch in Berlin vor historischer Kulisse ein einzigartiges winterlich-feierliches Ambiente entstehen, so der Wunsch des Veranstalters. Die Eisbahn soll täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnet sein, Schulklassen könnten bis 14 Uhr gratis Eislaufen, danach zahlen alle Nutzer 5 Mark Eintritt. "Katarina Witt fliegt am 10. Dezember zur Eröffnung ein, und ihr Management hat für den 31. Dezember amerikanische und russische Eislauf-Stars verpflichtet", berichtet Willi Kausch - "was für eine Peinlichkeit, wenn wir denen jetzt absagen müssten". Seit zwei Jahren verhandle er mit Bezirksbürgermeister und Baustadtrat, mit dem Leiter der Berliner Festspiele, Ulrich Eckhardt, und niemand hätte je den Denkmalschutz problematisiert. "Bei all den Silvesterfeiern am Brandenburger Tor und am Großen Stern war das ebenfalls noch nie ein Thema", sagt Kausch. Mittes Baustadtrat Thomas Flierl habe ihn vergangenen Mittwoch erstmals darauf hingewiesen.

Ob die "Silvester in Berlin"-Veranstaltung nun auch aus denkmalpflegerischer Sicht genehmigt wird oder nicht, dazu wollte - und konnte - Engel gestern nichts sagen. Er verwies auf die öffentliche Dikussion in der Stadt, historische Plätze nicht zu vermarkten - aber auch darauf, dass seine Behörde noch keine Unterlagen gesehen habe. "Deswegen wäre das Rühren im Kaffeesatz."

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