Berlin : Eine zweite Heimat für das Märkische Museum

Stiftung Stadtmuseum will die Hälfte ihrer Standorte schließen, dafür das leer stehende Marinehaus als Ergänzungsbau hinzugewinnen

Nicola Kuhn

In den eisigen Zeiten schwindender Mittel bleibt den gebeutelten Museumsdirektoren häufig nur noch eines: sich wärmende Gedanken zu machen. Der Generaldirektor der Stiftung Stadtmuseum, Kurt Winkler, beherrscht diese Kunst perfekt. Zur Jahrespressekonferenz lud er in das nur noch als Rohbau existierende Marinehaus am Köllnischen Park ein, um dort den schlotternden Journalisten seine Vision von einem neuen Museum vorzustellen, die großen Linien seines Masterplans II zu entwerfen.

Wenn es nach seinen Wünschen ginge, würde die hoch defizitäre Stiftung Stadtmuseum die Zahl ihrer 16 Ausstellungsstätten um die Hälfte reduzieren, aber das gegenüber vom Märkischen Museum gelegene Marinehaus als neuen Standort hinzugewinnen. Ursprünglich sollte in den 1993 für 15 Millionen Mark vom Senat erworbenen Kasinobau die Verwaltung für Gesundheit, dann die Denkmalpflege einziehen. Seitdem bemüht sich das Liegenschaftsamt vergeblich, die Immobilie wieder loszuwerden. Für 15,6 Millionen Euro will Winkler nun den wilhelminischen Bau mit seinen 6500 Quadratmetern Nutzfläche in ein Museum umwandeln. Ein Investor sei bereits gefunden, der nach dem Vorbild der Berlinischen Galerie den Umbau vornehmen würde, erklärte er gestern. Vom Stiftungsrat, dem Kulturstaatssekretärin Barbara Kisseler vorsitzt, habe er grünes Licht, einen Finanzierungsplan vorzulegen.

Der Projekt ist zweifellos verlockend, zumal sich das Stadtmuseum künftig seiner Kernaufgaben besinnen und als kulturhistorische Institution operieren will. Im Märkischen Museum, dessen Ausbau (16 Millionen Euro) dennoch weiterlaufen soll, könnte die ältere Stadtgeschichte, im Marinehaus die jüngere Zeitgeschichte präsentiert werden. Die Verbindung zwischen beiden Häusern liegt nahe. Beide wurden 1908 erbaut und stehen heute unter Ensembleschutz. 1918 wurde hier Geschichte geschrieben, als die revolutionäre Volksmarinedivision im Kasino ihren Sitz einrichtete. In den Zwanzigerjahren verlor der Bau im Inneren seinen ursprünglichen Charakter, als für Verwaltungszwecke Zwischengeschosse eingezogen und die Gesellschaftsräume damit verbaut wurden.

Die von Winkler vorgeschlagene Lösung für die heutige Investitionsruine stößt auch in der Kultursenatsverwaltung auf Gegenliebe, wenngleich dort Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro für realistischer gehalten werden. Hinzu kämen die jährlich steigenden Betriebsausgaben, wurde außerdem gewarnt. Gleichwohl gilt Winklers Initiative, das Stadtmuseum auf zwei Hauptstandorte zu konzentrieren und das Ephraimpalais fortan als eigentlichen Ort für Wechselausstellungen zu etablieren, als Vorstoß in die richtige Richtung.

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