Berlin : Einen Plan haben

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VON TAG ZU TAG

Ariane Bemmer stolperte

über Kirchentagsbesucher

Handlungsreisende erkennt man an Musterkoffer und Kombiwagen, Geschäftsreisende an Hartschalenkoffer und Flugzeugticket – und Kirchentagsreisende an Stadtplan und Rucksack, an denen bunte Bändchen im Wind flattern. Dieser zusätzlichen Hinweise bedarf es aber gar nicht. Wo die Kirchenfans mal orientierungslos, mal um Ankommen bestrebt, auf dem Weg durch Berlin sind, ist kein Weiterkommen.

Nicht, dass der Berliner nicht auch mal einen Plan bräuchte, um sich zurechtzufinden. Doch der Kenner klappt und faltet den Plan, bis er die unbekannte Stelle auf DINA4 fokussiert hat. Anders der Kirchentagsbesucher. Der schüttelt das Papier, bis es schlapp und riesig herunter hängt, dann lässt er die Familie die Ecken anheben, dann schauen alle gemeinsam, wo man denn wohl sei, und wo das ist, wo man hinwill. Gruppe und Plan blockieren den gesamten Bürgersteig und weichen auch bei Geklingel nicht. Schließlich sind sie ein Segen. Und das braucht Platz.

Wer meint, er hätte es im Bus besser, irrt: Den gewöhnlichen BVG-Gast bedrohen prall gefüllte, steinharte Rucksäcke. Links und rechts fliegen sie ihm um die Ohren, wenn die Kirchentagsbesucher sich drehen und wenden und hier gucken und da. Sofern man überhaupt reinkam: Besonders in der Sightseeing-Linie 100 fuhren am Freitag deutlich mehr Rucksäcke als Berliner mit. Der Atheist sucht nach Auswegen – und flieht in Volksweisheiten: Sich regen bringt Segen, denkt er und geht zu Fuß.

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