Berlin : Einer gegen Schmitt

Der CDU-Landeschef hat nun einen Mitbewerber um die Bundestagskandidatur

Werner

Es rumort an der Basis der CDU. Das bekommt Landeschef Ingo Schmitt nun persönlich zu spüren. Der Mann, der für sich den ersten Platz auf der Liste der Kandidaten für den Bundestag in Anspruch genommen hat, bekommt es erstmals mit einem Gegenkandidaten zu tun. Wenn am Freitagabend die CDU-Wahlkreisvertreter in Charlottenburg-Wilmersdorf ihre Kandidaten für die Bundestagswahl nominieren, will außer Schmitt noch einer antreten: Christoph Wegener heißt der Mann, der es wissen will.

Wegener hat sich, wie er sagt, in und wegen der Führungskrise um Friedbert Pflüger zur Kandidatur entschlossen. Er ist CDU-Mitglied im Ortsverband Wilmersdorf- Nord und führt eine Versicherungsagentur. Der 41 Jahre alte Politiker gehört der Berliner CDU seit 1991 an und war jahrelang im Vorstand des Ortsverbandes Wilmersdorf-Nord. Er sagt von sich selbst, er habe mit anderen vor Jahren versucht, dem Kreisverband neue Impulse zu geben. Diejenigen, die das damals versuchten, seien entweder „abserviert“ worden oder demotiviert.

Wilmersdorf galt schon zu den Zeiten von Monika Grütters und Peter Kurth als liberaler und modernisierungsbereiter Teil des Kreisverbandes in der westlichen Innenstadt. Seit Schmitt den Verband führt, ist von Modernisierungsbestrebungen nichts mehr zu erkennen. Wegener sagt nun, die Krise der beiden vergangenen Wochen habe gezeigt, dass die Reform der CDU von oben – durch einen Politiker aus der Bundes-CDU – gescheitert seien. Also müsse sich die Partei von der Basis her reformieren. Deshalb trete er an.

Der Zustand der Partei sei sicher nicht allein mit Schmitts Führung zu begründen, so Wegener. Doch müsse nun dringend etwas geschehen. Die Berliner CDU sei in einer Verfassung, in der sie durchaus noch unter 20 Prozent in den Umfragen sinken könne. Nach dem Streit über Pflüger und dessen gescheiterten Kampf um den Landesvorsitz fürchtet Wegener, dass die CDU zur 15-Prozent-Partei wird.

Aus der Wilmersdorfer CDU heißt es, es werde wohl einige Unterstützung für Wegener geben. Stefan Evers, der Vorsitzende des Ortsverbands Wilmersdorf-Nord, erwartet, dass die Delegierten seines Verbands Wegeners Kandidatur „wohlwollend“ begleiten würden. Die Stimmung an der Basis sei derart, dass die Kandidatur eines der unbeliebtesten Politiker Deutschlands – damit ist Schmitt gemeint – nicht mehr widerspruchslos hingenommen werden könne.

In der Berliner CDU geben inzwischen viele Schmitt einen gehörigen Teil Mitschuld an der Führungskrise im Landesverband und dessen schlechtem Ansehen. Zwar bestreitet niemand in der Hauptstadt-CDU, dass Friedbert Pflüger die Krise durch seinen plötzlichen und schlecht vorbereiteten Angriff auf Schmitt provoziert hat. Doch Schmitts jahrelange und kaum verhohlene Politik zur Sicherung eigener Interessen an Mandaten macht offenbar viele an der Basis zornig. So sagt Evers, er wisse von mehreren CDU-Mitgliedern, dass sie die Partei verlassen würden, wenn nun keine Erneuerung gelinge. Ähnliches ist aus dem Kreisverband Mitte zu hören. Der neue Generalsekretär Bernd Krömer spricht derweil mit möglichen Kandidaten für die Nachfolge Schmitts. Über Schmitt heißt es, er sei womöglich gar nicht mehr bis zu dem für Februar geplanten Landesparteitag zu halten. Werner van Bebber

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