Berlin : Einer so schräg wie der andere

Comedy ist ihr Leben: Die Zwillingsbrüder Ingo und Ralph Woesner bringen Klassiker in eigenwilligen Interpretationen auf die Bühne

Nana Heymann

Es lief eigentlich gerade gut – für beide. Im Grunde hätte es immer so weitergehen können. Ingo Woesner hatte ein festes Theaterengagement und stand in Rollen wie der des Mephistos in Goethes Faust auf der Bühne. Sein Zwillingsbruder Ralph befand sich zeitgleich am Anfang einer viel versprechenden Film- und Fernsehkarriere, er spielte in Serienhits wie „Verbotene Liebe“ oder „Alphateam“ mit und schrieb Drehbücher für die Kinderserie „Bernd das Brot“.

Doch das allein genügte den beiden irgendwann nicht mehr und sie entschieden sich dagegen. Wogegen? Gegen berufliche und finanzielle Sicherheit. Aber auch gegen künstlerische Monotonie, gegen die Grenzen, an die sie mit ihrer bisherigen Arbeit gestoßen zu sein glaubten. Und so gründeten sie vor vier Jahren das Comedy-Duo „Woesner Brothers“.

Wenn man die Brüder in ihrem Lieblingscafé am Wasserturm in Prenzlauer Berg trifft, merkt man deutlich, dass der Weg, für den sie sich nun entschieden haben, sehr viel anstrengender ist als all das, was zuvor war. Während sie am Mittag noch etwas träge in ihren aufgeschäumten Kaffees rühren, wirken sie müde von den vielen Auswärtsgastspielen, mit denen sie nun ihr Brot verdienen. „Ich würde dennoch nie an der Entscheidung zum Weggang zweifeln, ich habe ja das Theater freiwillig verlassen“, sagt Ingo Woesner, der Ältere der Zwillinge. Bruder Ralph sieht das Ganze durchweg positiv: „Wir sind jetzt Könige in unserem eigenen kleinen Reich.“

Bei ihren Bühnenprogrammen traten sie anfangs mit Episoden von Karl Valentin auf, später mit Sketchen des einstigen DDR-Comedy-Gespanns Herricht und Preil – als Reminiszenz der gebürtigen Berliner an ihre Herkunft. Inzwischen schreibt und produziert das komödiantische Doppel, das Anfang der 90er Jahre die renommierte Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin absolvierte, seine Stücke selbst. Vor wenigen Wochen gab es innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Premieren: Zuerst eine Adaption von Molières „Amphitryon“, danach „Romeo und Julius – Manche mögen’s heißer“, eine eigene schräge Interpretation des Klassikers aller Liebestragödien.

Manche Menschen nennen das, was die Woesners machen, Kleinkunst, andere sprechen von Slapstick-Comedy. Die 41-Jährigen kümmert das wenig. „Wir machen nur Spaß“, lautet ihr Motto. Zu diesem Spaß gehört jede Menge Arbeit: In knapp 400 Aufführungen war das Duo in den vergangenen Jahren auf 130 Bühnen in ganz Deutschland präsent. Alles in Eigenregie geplant, organisiert und finanziert.

In ihrer aktuellen Produktion „Romeo und Julius“ spielen Ralph und Ingo Woesner selbst sechs der 19 Rollen. Ihr Lohn ist oftmals nicht mehr als ein begeistertes Publikum – gerade dann, wenn ihnen bei Open-Air-Bühnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht und nur unerschrockene Gäste zu den Aufführungen kommen. Durch solche Widrigkeiten wollen sie sich nicht entmutigen lassen. „Wir wollen die Seele der Zuschauer entzünden, wir wollen, dass es aus ihnen herauslacht“, sagt Ingo Woesner, der sich selbst als „Lebenskünstler im freien Fall“ bezeichnet. Es klingt ehrlich und entschlossen.

„Romeo und Julius“ am 10. und 12. August, „Amphitryon“ am 11. August, Kolle 37, Kollwitzstraße 35 - 37, Prenzlauer Berg. Kartentelefon: 44017766.

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