Berlin : Einfach am Straßenrand stehen gelassen

Taxifahrer sind zur Beförderung verpflichtet – doch über unfreundliche und unwillige Taxifahrer ärgern sich viele Berliner

Stets zu Diensten? Fahrgäste haben da andere Erfahrungen gemacht. Foto: ddp
Stets zu Diensten? Fahrgäste haben da andere Erfahrungen gemacht. Foto: ddpFoto: ddp

Wenn einer ein Taxi winkt, dann kann er was erleben – und leider nicht immer etwas Erfreuliches. Das ist das Fazit unserer Leserdebatte über Erfahrungen mit unhöflichen oder unwilligen Berliner Taxifahrern. Nach dem Bericht haben Leser auch im Internet ihre Erlebnisse geschildert. „Höflichkeit und Freundlichkeit sind Ausnahmeerscheinungen im ach so urbanen Berlin“, meint einer der User. Leser beklagen generell mangelnde Ortskenntnis bei einigen Fahrern.

Einer der Leser berichtet von gleich mehreren Vorkommnissen innerhalb von drei Wochen. Er sei am Neuköllner Hermannplatz in einen Wagen gestiegen und habe nach Nennung des Fahrtziels gesagt bekommen: „Das ist nicht meine Richtung“. Nach einem Disput mit einem Fahrer in der Nacht habe dieser ihn an einem Gespräch mit der Zentrale hindern wollen – der Taxifahrer hatte ihm zuvor angesichts der Kürze der Strecke empfohlen, „mit dem Rad zu fahren“. Das war im Winter, bei minus 15 Grad. Tagesspiegel-Leser Jochen Schulze aus Steglitz schickte dem Tagesspiegel einen Briefwechsel mit der Taxi-Innung, ebenfalls aus dem Winter, als er infolge eines Ausfalls eines Fluges der Lufthansa nach Bangkok von der Fluggesellschaft Taxigutscheine bekam. Diese Coupons wollte aber keiner der Fahrer annehmen – Schulze war, wegen des Flugziels in luftiger Kleidung, in der Kälte von einem Fahrzeug zum nächsten gelaufen. Im Antwortschreiben der Innung hieß es, die Annahme von Gutscheinen sei freiwillig.

Wer sich als Fahrer an Taxihaltestellen aufhalte, unterliegt aber bei Barzahlungen der Beförderungspflicht. Doch auch da könne man einiges erleben, berichten Leser. Einer erzählt, im Taxi habe es „wie in einem Amsterdamer Coffeeshop“ gerochen. Da halten Taxifahrer indes entgegen, es gebe auch Fahrgäste, die vorm Einsteigen die Kippe in den Rinnstein fallen lassen, einen tiefen Zug nehmen und dann im Wagen alles auspusten.

Ein anderer Leser klagt im Internet, dass oft nicht beim Gepäck geholfen werde, „sondern einfach von innen der Kofferraum aufgemacht“ werde. Der User „auswanderer“ schreibt, er würde wegen der unfreundlichen Dienstleister gar nicht mehr Taxi fahren. „Flughafenfahrten organisieren wir untereinander.“ Er ärgere sich zudem über Fahrer, die ihn rechts auf der Busspur mit überhöhter Geschwindigkeit überholen und frühmorgens bei Rot über die Kreuzung fahren würden. Zum Gebührenstreit in Schönefeld rät eine Leserin, „nach Entfernungen zwei Taxischlangen zu schaffen“.

Doch es gibt auch Leser, die die etwa 14 000 Berliner Taxifahrer mit ihren rund 7000 Fahrzeugen in Schutz nehmen. Sie verweisen darauf, dass auch viele Fahrgäste sich nicht zu benehmen wüssten. Fahrgäste schwärmen überdies vom Unterhaltungswert der „Drei-Generationen-Familien-Geschichten“, die sie auf den Rücksitzen zu hören bekommen: „Das ist meist besser als ödes Radioprogramm.“ Auch Leser Jürgen Mann bezieht Partei für die „Droschkenkutscher“ – deren „marginale Fehlerquote“ eine „fulminante Breitenwirkung“ erzielen würde. Und eine Rudower Familie verweist auf ihren Stammfahrer türkischer Herkunft, der so freundlich und hilfsbereit sei, dass man sich schon mal gegenseitig eingeladen habe.

Ein offensichtlicher Kenner der Szene macht generell darauf aufmerksam, dass man Kurzstrecken mit der Länge von zwei Kilometern mit maximal vier Fahrgästen nur beim „Abwinken einer fahrenden Taxe“ verlangen könne. Alles andere seien nur kurze Strecken ab dem üblichen Einschalttarif von 3,20 Euro. Ein Taxifahrer bestätigt die „Unsitte“ bei einigen Kollegen, kurze Touren nicht zu akzeptieren. Auch er rät, dann das schwarze Schaf der Branche per Quittung mit Datum, Uhrzeit, amtlichen Kennzeichen und Konzessionsnummer, die hinten rechts an der Heckscheibe von innen und außen lesbar angebracht sein muss, beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten anzuzeigen.

Eine Leserin entschärft die aktuelle Debatte indes. Sie weist darauf hin, dass sie sich noch an ein Ereignis erinnere, als ein Taxifahrer sie bei strömendem Regen nicht vom Kranzler-Eck in eine Seitenstraße des Ku’damms chauffieren wollte. Das trug sich 1972 zu. Annette Kögel

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben