Berlin : Einfach buddeln!

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über die Goldgräberstimmung an der Spree

Das Leben in dieser Stadt gleicht mehr und mehr einem ChaplinFilm: „Goldrausch“. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann wird bei Empfängen des Senats ausgekochtes altes Schuhwerk serviert – andere Delikatessen lässt der Landeshaushalt einfach nicht zu. Es sei denn, Sarrazin folgt dem Beispiel der Goldgräber am Klondike, wo einst Charlie nach Nuggets grub, schnappt sich eine landeseigene Schippe und zieht in den Tiergarten. Denn für eine Reise nach Cocos Island, Stevensons Vorbild zur „Schatzinsel“ und angeblich noch voller ungeborgener Schätze, reicht der Etat schon lange nicht mehr. Macht nichts: Wir haben ja die Millionen, die seit Jahrhunderten im Berliner Boden der Entdeckung harren. Schon Goethe hatte unsere Notlage vorausschauend beschrieben, in seinem „Schatzgräber“-Poem: „Arm am Beutel, krank am Herzen, schleppt ich meine langen Tage.“ Leider fand sein buddelnder Titelheld nichts außer einer Binsenweisheit: „Tages Arbeit! Abends Gäste! Saure Wochen! Frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort.“ Ein schwacher Trost – nicht nur für Finanzsenatoren.

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