Berlin : Einfach nur drehen – Riesenrad ohne Rummel

Die geplante Touristenattraktion soll dem Technikmuseum nicht schaden. Investoren versprechen, dass sie am Gleisdreieck kein Spektakel aufziehen

Matthias Oloew

Das Ding wird die Silhouette der Stadt verändern: Mit seinen 175 Metern im Durchmesser wäre das Riesenrad am Technikmuseum höher als die Türme am Potsdamer Platz, aber wesentlich kleiner als der Fernsehturm. Ganz oben wäre das Rad nur wenige Meter niedriger als die bislang höchste Aussichtsplattform nahe dem Alexanderplatz. Kein Wunder also, wenn eine heftige Debatte läuft.

Die Befürworter sind natürlich die Investoren. Sie versprechen eine einzigartige Attraktion, die dauerhaft Scharen von Touristen in die Stadt locken würde. Ihre Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich 1,2 bis 1,4 Millionen Besucher kommen werden, um mit dem Riesenrad zu fahren. Sie ködern mit einer spektakulären Aussicht. In London, wo das Vorbild steht, könne man an klaren Tagen 40 Kilometer weit sehen. Da das Berliner Rad noch 40 Meter höher als das Pendant an der Themse sein soll, werde man am Landwehrkanal noch weiter sehen können. Die Investoren um den Ideengeber Dirk Nishen versprechen, dass rund um das Riesenrad kein Rummel aufgebaut werden soll. Geplant sei ausschließlich eine Halle für die Kassen und Warteschlangen, die es – da hegen sie keine Zweifel – sicherlich geben werde.

Gegner des Projekts sind vor allem die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck, die an der Stelle lieber einen Park sehen wollen. Einen Park wollen auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Stadtentwicklungsverwaltung des Senats. Beide Behörden wissen aber, dass der Park am Gleisdreieck noch lange auf sich warten lässt, wenn die Finanzierung für ihr Projekt nicht steht. Sie sind also offen für die Werbeversuche der Investoren, die ein Koppel-Geschäft vorschlagen: Ihr gebt uns das Grundstück für das Riesenrad, dafür bekommt ihr ein Grundstück, das wir kaufen und das wertvoller ist als euers. Die Stadt würde bei diesem Handel zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens wäre Geld für den Park da (immerhin zwei Millionen Euro) und zweitens wäre genügend Platz für einen Erweiterungsbau des Technikmuseums geschaffen.

An diesem Punkt fängt die Senatskulturverwaltung an mitzumischen. Sie möchte auf keinen Fall das Museum nur zum Anhängsel des Riesenrades werden lassen. Sie befürchtet darüber hinaus, das Riesenrad könne in Zukunft private Geldgeber oder Sponsoren davon abbringen, sich bei einem Weiterbau des Technikmuseums zu beteiligen. Auch die Museumsleitung selbst ist nicht gerade begeistert von den Riesenrad-Plänen. Zu erdrückend sei allein die schiere Größe des geplanten Rades, das sich 2006 zum ersten Mal drehen soll.

Museum und Riesenrad könnten aber nur bei einer engen Kooperation voneinander profitieren. Das sagt zumindest eine eigens beauftragte Studie eines Hamburger Freizeitforschungsinstituts. Bei einer Konkurrenz zwischen beiden werde das Museum sicherlich verlieren.

Eine Kooperation kann sich Kultursenator Thomas Flierl (PDS) schwerlich vorstellen. Er gilt ohnehin nicht als Freund solcher Riesenrad-Pläne, versuchte er als Baustadtrat von Mitte einst auch den bunten Touristen-Ballon am Potsdamer Platz zu verhindern. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) formuliert ihre Zustimmung nicht so euphorisch wie ihr Amtsvorgänger Peter Strieder, aber sie lässt keinen Zweifel: „Das Riesenrad ist aus stadtplanerischer Sicht machbar.“

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