Berlin : Einfach Zucker

Triumph für Dani Levy bei der temporeichen Verleihung des Deutschen Filmpreises in der Philharmonie

Andreas Conrad

Hat nicht jeder gewusst, was im allerletzten Umschlag steckte? Dem Kuvert für den besten deutschen Film der Saison? Doch – und so war es die reine Freude, die sich da in Jubel, aufbrausendem Applaus, Hochrufen entlud, während Regisseur Dani Levy begeistert hüpfte und die Umstehenden umarmte: Die Goldene Lola für „Alles auf Zucker“, der sechste Preis, den die jüdische Komödie an diesem Abend in der Philharmonie erhielt. Eine Woge der Begeisterung schwappte durch den Saal, der Zufriedenheit über diesen krönenden Abschluss eines an Höhepunkten doch wirklich nicht armen Abends. Der wie versprochen Emotionen geboten hatte, Freude vor allem, gut durchmischt mit Humor, Selbstironie auch, ab und zu eine Prise Klamauk – und kaum Längen.

Völlig überflüssig also die einführende Belehrung von Moderator Bully Herbig, was gegen einen schnarchenden Sitznachbarn zu tun sei: Einfach die Zunge ins Ohr stecken, das helfe immer. Aber Herbig selbst war die beste Garantie, dass niemand über den Deutschen Filmpreisen geräuschvoll einschlummerte. Ein Glücksgriff, ein subtiler Schwadroneur, ein Filmkasper mit Hintersinn, der sogar im Kostüm der Biene Maja auftreten konnte, und niemand fand das peinlich. War ja auch nur berechtigt, schließlich ging es darum, die Nominierten für das beste Kostümbild einzuführen.

Der 55. Deutsche Filmpreis und zugleich der erste – Senta Berger hatte gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass an diesem Abend Tradition und Erneuerung Hand in Hand gehen, ist es doch das erste Mal, dass die Filmakademie, der sie als Präsidentin vorsteht, die Preisträger wählt. Ein neues Konzept musste her, schon die fast zeitgleiche Ausstrahlung in der ARD verpflichtete dazu. Endlose Danksagungen der Preisträger selbst an den Onkel, der den angehenden Filmschaffenden immer mit dem Auto zur Schule fuhr? Nicht mit Bully Herbig. 45 Sekunden, keine mehr, durfte jeder reden, danach folgte der Wortentzug durch die im Hintergrund drohende Musikcombo. Und auch wenn sich leider nicht jeder daran hielt, war damit doch vorgegeben, worauf es vor allem ankam: Tempo, Tempo – keine Vorbedingung für die ministeriell geprägten Preisgalas der Vergangenheit, wohl aber für eine Filmshow wie die in der Philharmonie. „Wow, was für eine Spaßveranstaltung“ – das Urteil, das Herbig dem Publikum unterstellte, dürfte wohl tatsächlich so ausgefallen sein.

Dem Wunsch nach erhöhtem Glamourfaktor kam dieser Ort natürlich entgegen, sogar Zaungast-Publikum hatte sich eingestellt, überschaubar zwar, aber verglichen mit dem Tempodrom, wohin sich praktisch niemand verirrte, doch ein Fortschritt. Nur den roten Teppich sollte man künftig anders verlegen, weniger in die Breite wie gestern, was den fototauglichen Pirouetten der Stars, darunter Günter Lamprecht, Heike Makatsch, Sibel Kekilli, Katja Riemann, Nina Petri, Jasmin Tabatabai oder Marie Bäumer, doch hinderlich war. Aber das sind Marginalien. Der Abend, eine Premiere für die Filmakademie, war mehr als gelungen. Und die aufgebauten Ess- und Trinkstände im Foyer ließen ahnen, dass man auch akademisch sehr gut zu feiern weiß.

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