Berlin : Einflug ins Finale

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Rechtsanwalt Söhn und seine Freundin pflegen eine harmonische, aber nicht ganz unkomplizierte Beziehung. „Ich schenke dir ein Ticket nach Japan zum WM-Finale“, versprach Hans-Reiner Söhn am Mittwochabend. Unter einer Bedingung, konterte die Freundin. Ein Sushi-Essen sei Pflicht. Und was sagt Sushi-Verächter Söhn? „Wenn Deutschland Weltmeister wird, esse ich auch rohen Fisch.“

Söhn ist überzeugt, dass es klappt mit dem Titel. Wegen der „Hammerabwehr“ und Oliver Kahn. Die letzten 20 Jahre hat Röhn die Nationalelf begleitet, nach Amerika und Frankreich. Dieses Jahr buchte er kurz entschlossen: Bei L’tur am Ku’damm. 4946 Euro zahlt das Paar für den Trip, eine Übernachtung und Finaltickets eingeschlossen. Das Last-Minute-Angebot ist alles andere als ein Ladenhüter. „Wir haben nur noch vier freie Zimmer“, sagt die Frau am Counter.

Der Einzug ins Finale bescherte dem Reiseveranstalter Der-Tour noch einmal 600 Fußballtickets. Zwei Maschinen stehen jetzt bereit, um die eher gutbetuchten Fans nach Japan zu fliegen. „100 sind noch übrig“, hieß es Donnerstag bei Der-Tour. Die günstigsten Tickets sind bereits weg: 2722 Euro kostet jetzt das Pauschalangebot von Düsseldorf über München nach Japan.

Die Gerüchteküche brodelt. Von Firmenchefs ist derzeit die Rede, die ihre Belegschaft in privaten Jets nach Japan fliegen. Von Millionären. Prominenten. „Wir hatten bislang keine einzige Anfrage“, sagt der Chef bei „Windrose Air“ in Tempelhof. Das Unternehmen ist der einzige Anbieter in der Stadt, der über einen entsprechenden Langstreckenjet verfügt. Rund 200 000 Euro müssten Interessenten für einen Endspiel-Kurzausflug auf den Tisch des Hauses blättern, bei 13 Sitzen rund 15 000 Euro pro Passagier. Das sind gut 50 Prozent mehr als der Preis für ein First-Class-Ticket bei der Lufthansa, das für 9135 Euro zu haben ist. Hier sind selbst die teuersten Plätze für die heutigen Flüge von Frankfurt nach Tokyo mit Anschluss aus Berlin ausgebucht.

Rechtsanwalt Söhn strahlt, dass die Schnurrbarthaare zittern. Er wollte ja schon bei der Vorrunde dabei sein, das hat sich zerschlagen, die Geschäfte. . . „Aber jetzt zum Finale ist ja viel, viel schöner“, sagt Söhn. Wenn er dann das Trikot gegen die Robe tauscht, verschwindet mit dem schwarzen Umhang auch der Ernst und die Zurückhaltung mit im Schrank. Im Stadion, sagt Söhn, gehe er aus sich heraus. Dann singt der Rechtsanwalt. Brüllt. Und jubelt. Doch bevor Söhn sein Ticket einsteckt, tippt er noch kurz: Null zu null nach der Verlängerung, Elfmeterschießen. „Dann holt Kahn die Weltmeisterschaft nach Hause.“ kf/du-

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