Berlin : Eingepfercht im Kühl-Laster

Mutmaßliche Bande vietnamesischer Menschenhändler vor Gericht

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Das gelobte Land lag für die Vietnamesen und Chinesen irgendwo in Westeuropa. Für dieses Ziel begaben sie sich in die Hände skrupelloser Menschenhändler. Sie zahlten bis zu 26 000 Euro und riskierten, eingepfercht in kleine Lkw-Verschläge oder in Kühllaster, sogar ihr Leben. Seit gestern stehen 15 mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Bande von Schleusern vor Gericht.

Die acht Männer und sieben Frauen stammen aus Vietnam. Sie lebten in Berlin und Brandenburg, wohnten zum Teil in Asylbewerberheimen. Zwei der Angeklagten sind 17 Jahre alt, zwei 18, die weiteren zwischen 20 und 33 Jahren. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Duo die Bande anführte: Dai Dung T., 18 Jahre alt und ohne Beruf, und Hoai Phuong Nhung P., eine 31-jährige Mutter einer zehnjährigen Tochter. Die Angeklagten sollen in insgesamt 17 Fällen gegen Bezahlung Ausländer illegal nach Deutschland gebracht haben.

Hinter den einzelnen Punkten der Anklage steckt das Schicksal von 45 Menschen. Wie eine Ware wurden sie zwischengelagert und weiterverschoben. Die „Reise“ der geschleusten Asiaten begann nach Erkenntnissen der Ermittler mit einem Flug nach Russland und dann weiter nach Polen oder Tschechien. Dort wurden sie in Lastwagen gepfercht und nach Berlin gebracht. Bis zur Weiterfahrt per Lkw nach Frankreich und England wurden sie in Plattenbauwohnungen im Osten Berlins, wo sie unter vielen anderen Vietnamesen nicht auffielen, „zwischengebunkert“.

Erste Hinweise auf die Bande hatte es im Herbst 2004 gegeben, als einige Vietnamesen von der Bundespolizei in einem Kühllaster aufgegriffen wurden. Eine Ermittlungsgruppe „Eis“ wurde gegründet. Bei einer Razzia im November 2005 nahm die Polizei schließlich 21 Verdächtige fest. Etwa 500 Asiaten soll die Bande nach Europa geschleust haben, 70 der geschleusten Personen konnten aufgegriffen werden.

Der Prozess gegen die Bande wird sich wohl über Monate hinziehen. Verteidiger machten bereits deutlich, dass kaum mit Geständnissen zu rechnen sei. K. G.

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