Berlin : Eingeschränkter Alkoholverkauf vor dem Olympiastadion

Tobias Arbinger

Wer gestern vor dem Spiel von Hertha BSC gegen Bielefeld noch ein Bier trinken wollte, wurde enttäuscht: Auch vor dem Stadion dürfen jetzt nur noch schwach alkoholhaltige Getränke ausgeschenkt werden. Charlottenburgs Baustadträtin Beate Profé (Grüne) hatte für 17 Imbiss-Stände nahe dem Stadion eine entsprechende Auflage erlassen. Die Polizei und der Verein begrüßten die Entscheidung. Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder sieht allerdings auch eine Schattenseite: "Zu einem guten Fußballspiel gehört eine Bratwurst und ein Bier".

Am Olympischen Platz und am Coubertin-Platz sowie auf den Wegen von der U- und S-Bahn zum Stadion ist an den Ständen nur noch der Verkauf von Light-Bier erlaubt. Kneipen schließt die Auflage nicht ein. Beate Profé hofft, dass die Regel auch rechtlich Bestand haben wird. Diese hatte das Berliner Verwaltungsgericht 1988 zu Fall gebracht. Die Richter waren damals der Ansicht, ein Zusammenhang zwischen Bierkonsum und Pöbeleien sei nicht zu beweisen.

"Ein Schritt in die richtige Richtung", nannte der Sicherheitsexperte des Vereins, Andreas Kramell, die neue Auflage. Er erwarte, dass dadurch "das Gewaltpotential" der Fans sinke. Bislang hätten sich einige Fussballanhänger etwa eine Stunde vor Spielbeginn an diesen Ständen "vollaufen" lassen, weil es im Stadion nur Light-Bier gibt. Zehn Minuten vor dem Anpfiff habe es dann einen Ansturm alkoholisierter Besucher auf die Eingänge gegeben, sagte Kramell.

Die Polizei war sich mit dem Bezirksamt einig, dass diese Auflage "zur Gefahrenabwehr" sinnvoll sei. Alkoholbeschränkungen vor Stadien haben sich nach Angaben von Polizeidirektor Klaus Keese bereits in Nürnberg und in München bewährt. Nach Polizeiangaben gab es während der Hinrunde im Zusammenhang mit Fußballspielen 327 Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Volksverhetzung, Diebstahl und Beleidigung. Bei 57 Prozent sei Alkohol im Spiel gewesen.

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