Berlin : Eingesperrt und ohne Anschluss Im Aufzugstest versagte häufig der Notruf

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Beim Notruf-System diverser Behördenaufzüge liegt offenbar einiges im Argen. Dreimal drückten beispielsweise zwei Test-Personen, die absichtlich einen Aufzug im Rathaus an der Weddinger Müllerstraße stecken ließen, den Notrufknopf. Nichts passierte. Nach zehn Minuten drückten sie wieder ergebnislos. Als nach einer halben Stunde noch immer keine Rettung kam, griff vom Treppenhaus eine Kollegin ein, die mit den Eingeschlossenen Handy-Kontakt hielt. Sie holte Rettung, das Notrufsystem versagte. Aufzüge werden zunehmend seltener gewartet, sagt Robert Rath vom Landesamt für Arbeitsschutz.

„Muss immer erst richtig was passieren?“, fragt Stephanie Candido, die zu den Testpersonen gehörte. Sie und ihr Kölner Filmteam erprobten vor kurzem das Notrufsystem in Behörden-Aufzügen, und das Ergebnis ihrer Recherchen wurde am Montagabend im ZDF-Wirtschaftsjournal Wiso gezeigt. Am schlechtesten schnitt das Bezirksamt Mitte mit dem Rathaus-Neubau in Wedding ab. „Der Ablauf der Rettungsaktion war in fünf von sechs Fällen mangelhaft“, konstatierten die Prüfer. Wirtschaftsstadtrat Dirk Lamprecht (CDU) sprach von einem „unangenehmen, peinlichen Vorgang“. Das Amt sei sofort tätig geworden, überprüfe an allen drei Standorten in Wedding, Mitte und Tiergarten die Notrufsysteme. Die Signale aus dem Weddinger Rathaus-Neubau seien versehentlich im Altbau angekommen, wo kein Pförtner mehr sitze. Bislang sei aber kein Besucher stecken geblieben, die Filmleute hätten am Aufzug „manipuliert“, um stecken zu bleiben, man prüfe Regressansprüche.

Die Tester mussten bei ihren Kontrollen in Behörden bis zu 45 Minuten warten, ehe Rettung kam. Nach Auskunft der Filmleute ignorierte ein Pförtner im Finanzamt Wilmersdorf an der Blissestraße mehrmals den Notrufknopf und schaltete ihn sogar aus. Die Finanzbehörde sagte, der Pförtner habe zusätzlich ein Lichtsignal erhalten und sofort einen Kontrollgang gemacht. Die Tester bemängelten, dass kein Sprechkontakt zustande gekommen sei. In Wedding habe man sie über eine Leiter gerettet, was gefährlich und nicht erlaubt sei. Nur im Bezirksamt Charlottenburg seien sie in einer „angemessenen Zeit“ von 16 Minuten befreit worden.

Bei neuen Aufzügen muss der Betreiber innerhalb von sechs Monaten melden, welche Wartungsfirma er beauftragt hat. Dies geschehe aber immer seltener, klagt Robert Rath. Nach einer Meldung prüfe der TÜV die Anlagen alle zwei Jahre – aber nur, wenn der Wartungsvertrag weiter bestehe, weil der TÜV nur diese Daten kenne. Kommt nach einer Kündigung des Vertrags keine Meldung mehr, wird auch nicht weiter geprüft. Bei rund 45 000 Aufzügen gebe es jährlich etwa 4000 Mängelberichte, so Rath weiter. Trotzdem sei der Aufzug immer noch das „sicherste Verkehrsmittel“. C.v.L./kt

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