Berlin : Einhaltbüro

Bernd Matthies

über das

Lieblingswort des Wirtschaftssenators

Was muss ein ordentlicher Wirtschaftssenator mitbringen, wenn er ernst genommen werden will? Die richtigen Worte. Richtige Worte sind wichtig, geradezu must-haves, wie wir heute sagen würden. Denn wir wollen ja nicht in erster Linie verstanden werden, sondern vor allem die Zugehörigkeit zu einer Sekte der Wissenden signalisieren, die stets so tut, als nehme sie gerade an einer internationalen Konferenz in Toronto teil. In ihrer Welt spielt neuerdings die One Stop Agency eine wichtige Rolle.

Sie darf keinesfalls verwechselt werden mit dem One Touch Easy, einem Mobiltelefon, das so kompliziert ist, dass es der Benutzer leicht mit einem Griff in die Tonne befördern kann. Nein: One Stop Agency, wahlweise mit oder ohne Bindestriche (aber nie Onestopagency, weil sich das wie eine Verkrümmung der Bauchspeicheldrüse liest), das Lieblingswort unseres Wirtschaftssenators, bedeutet, dass… Also, es bedeutet… Einhaltbüro. Einplombentätigkeit? Einzighinderungsnachrichtendienst? Oder, phonetisch interpretiert, Laden für Badewannensicherheit? Immerhin ist die Aussprache einfach. Spitzen Sie den Mund! Jetzt alle: Ouanztop. Dann breit: Äiiiiidschnzi. Sehr gut!

Gewiss, früher hätten wir das Ding unschuldig „Investorenbüro“ getauft oder zentrale Anlaufstelle für Investoren. Aber Speyer und Dubai haben längst diese One-Stop-Dinger – was soll Senator Wolf da machen? Stellen sie sich vor, es kommt ein amerikanischer Milliardär und bringt seine Kohle nach Speyer oder Dubai, weil er die Agency nicht findet. Undenkbar! Da üben wir lieber nochmal die richtige Aussprache.

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