Berlin : Einheitsdenkmal: Jetzt sind die Architekten gefragt

Zur Grundsteinlegung im November 2009 soll der Entwurf für das Einheitsdenkmal feststehen. Dafür soll es einen offenen Architektenwettbewerb geben.

Matthias Oloew

BerlinFür das geplante Denkmal der Deutschen Einheit wird es einen offenen Architektenwettbewerb geben. Dafür sind sechs Monate vorgesehen, sagte ein Sprecher des Staatsministers für Kultur: „Damit könnte zur Grundsteinlegung im November 2009 auf jeden Fall ein Entwurf präsentiert werden.“ Das offizielle Startsignal für den Wettbewerb könne aber erst fallen, wenn der Bundestag formell grünes Licht gebe. Doch davon geht Staatsminister Bernd Neumann (CDU) aus. Denn am Mittwoch hatte der Kulturausschuss des Bundestages mit der Mehrheit von CDU/CSU, SPD und FDP für den Bau den Denkmals votiert. Die Grünen kritisieren das „Schnellverfahren“, in dem das Projekt verwirklicht werden soll.

Die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatte im vergangenen Jahr bereits zu einem Gestaltungswettbewerb aufgerufen und kürte den Vorschlag von Bernadette Boebel von der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe zum Siegerentwurf. Boebel schlug zwei stählerne Ringteile vor, die – je nach Perspektive – als zwei Teile desselben Rings oder als ein Ring wirken.

Als Standort für das Denkmal schlugen Boebel und die Stiftung Aufarbeitung den Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals auf der Schlossfreiheit vor dem wiedererrichteten Stadtschloss vor. Auf dem bis heute erhaltenen knapp 3000 Quadratmeter großen Sockel stand früher ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. An gleicher Stelle gab es vor acht Jahren eine temporäre Kunstinstallation aus 104 Waschmaschinen. Die Linkspartei lehnt den Standort ab.

Auch Leipzig soll berücksichtigt werden

Rund fünf Millionen Euro soll das Einheitsdenkmal inklusive eines „Orts der Information“ kosten. Dort sollen Besucher Ton- und Textdokumente zur friedlichen Revolution in der DDR 1989 nachlesen können, die schließlich zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten führte. Außerdem soll es auch Hintergründe zur gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848 geben, denn das Denkmal soll auch an dieses Schicksalsdatum erinnern.

Weitgehend einig ist der Kulturausschuss darüber, dass Leipzig in dem „Ort der Information“ berücksichtigt werden soll. In der Diskussion um den Standort des Denkmals war in der Vergangenheit Leipzig genannt worden, wo die legendären Montagsdemonstrationen ihren Anfang genommen hatten. Ein Standort in Bonn fand hingegen kaum Unterstützung.

Der Bau des geplanten Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma verschiebt sich derweil erneut. Zunächst sollte im Februar der Grundstein gelegt werden. Jetzt ist von einem Baubeginn bis zum Sommer die Rede. Das Denkmal soll direkt neben dem Reichstagsgebäude entstehen.

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