Berlin : Ein Held namens Teodor

Er rumpelt und rettet Leben: Der Polizei-Sprengstoffroboter entschärft Bomben

Jörn Hasselmann

Ein ganz spezieller Mitarbeiter der Berliner Polizei stand bei der Fahndung nach dem Bombenleger Peter John wieder im Mittelpunkt: Teodor. Teodor hat keinen Nachnamen, er kennt keine Gefahr, es ist ein Roboter. Den Namen hat ihm die Herstellerfirma Telerob verpasst, die ihn in den vergangenen Jahren zum Exportschlager weiterentwickelt hat – speziell seit dem 11. September 2001. Sonnabend früh musste Teodor den BMW des Bombenbauers entschärfen, der am Dienstag seine zwölfjährige Nichte mit einem Sprengsatz fast in den Tod gerissen haben soll (siehe Seite 9).

Mit einem weißen Mercedes-Kleinlaster wird der 370 Kilogramm schwere Roboter zum Einsatzort gefahren. Ferngesteuert rumpelt Teodor dann die letzten Meter auf Ketten direkt an den gefährlichen Ort, wie auch am Sonnabend. Menschen trauten sich nicht an den BMW heran, denn auf dem Armaturenbrett lag ein verdächtiger Gegenstand mit Kabeln, der wie eine Bombe aussah.

In solchen Fällen röntgt Teodor das Auto, schlägt dann die Scheiben ein und holt die Gegenstände heraus. Eine Kamera mit 72-fachem Zoom überträgt die Bilder des Geschehens auf das Display der Fernsteuerung und in den weißen, nicht gepanzerten Mercedes-Kastenwagen der Polizei. Teodor ist aber auch so sensibel, dass er mit einem Schlüssel ein Bahnhofsschließfach öffnen kann. Ist das Fach offen, legt Teodor seinen Greifarm einfach ab und tauscht ihn vollautomatisch gegen eine Art bewegliches Gewehr aus. Dieses Gerät schießt dann mit einem Hochdruckwasserstrahl jeden Zünder in Sekundenbruchteilen unschädlich.

Diese Fähigkeiten haben ihren Preis: Teodor kostet 200 000 Euro. Nach der Berliner Polizei hat sich auch die Bundespolizei einen solchen Roboter gekauft, der am Flughafen Schönefeld stationiert ist. Mittlerweile hat die Firma Telerob in Baden-Württemberg einen kleinen Bruder von Teodor konstruiert: „Telemax“ kann auch in Bussen, Flugzeugen oder U-Bahn-Zügen eingesetzt werden.

Etwa 600 Mal pro Jahr gibt es bei der Berliner Polizei den Alarm „USBV“. Dies steht im Amtsdeutsch für „Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“ – und ist fast immer ein Fall für Teodor. Jörn Hasselmann

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