Berlin : Einige Stationen der Linie 8 gelten als Drogen-Umschlagplätze

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Kreuzberg / Neukölln. Schulen in Kreuzberg und Neukölln wollen den Drogenhandel auf U-Bahnhöfen auf der Linie 8 nicht länger hinnehmen. Nachdem Eltern des Kreuzberger Hermann-Hesse-Gymnasiums die BVG und die Polizei in einem offenen Brief aufgefordert hatten, stärker gegen Dealer in der Station Schönleinstraße vorzugehen, will nun auch die Schulleiterin der Neuköllner Carl-Legien-Berufsschule Taten sehen. Alles, was bisher gegen den Drogenhandel unternommen wurde, sei "Schein und Trug", wenn die Rauschgifthändler "unter den Augen der Polizei weiter dealen", sagte die Leiterin Helga Köppe.

Die Dealer gehen ihrem Geschäft laut Polizei vor allem auf und um die Stationen Kottbuser Tor, Schönleinstraße, Hermannplatz, Boddin- und Leinestraße nach. Gehandelt werde hauptsächlich mit Haschisch, aber auch mit Heroin, Kokain und Amphetaminen. Laut BVG wurden Anfang Februar die Kontrollen auf den Bahnsteigen durch den Wachschutz verstärkt. Bei der zuständigen Polizeidirektion 5 heißt es, man gehe den Dealern gezielt nach. Um sie "24 Stunden am Tag zu überwachen, reichen aber die Kräfte nicht", sagte Stefan Weis vom Referat öffentliche Sicherheit.

Auf dem U-Bahnhof Leinestraße biete man ihren Schülern nicht nur Drogen an, klagt Schulleiterin Helga Köppe, sondern sie würden auch von Dealern belästigt, die vor allem Mädchen "festhalten und angrabschen". Ihr seien Fälle bekannt, wonach Schülerinnen aus diesem Grund nicht mehr im Unterricht erschienen. Zu Beginn des Schuljahres hätten Sozialarbeiter verschüchterte Mädchen von der U-Bahn abholen und wieder zurückbringen müssen, sagte sie. Weil er "an den Dealern nicht vorbei möchte", laufe ihr zwölfjähriger Sohn lieber nach Hause in die Sonnenallee, sagt eine Elternvertreterin der Kurt-Löwenstein-Hauptschule, die ebenfalls nahe der Station Boddinstraße liegt. Und ein Lehrer der Kielhorn-Schule für Lernbehinderte sagt: "Zwei bis drei Mal im Jahr erzählen uns Kinder, dass sie von Dealern angesprochen wurden".

Laut Polizeidirektion 5 hat sich das Drogengeschäft in den vergangenen anderthalb Jahren nach Schwerpunkteinsätzen auf dem Hermannplatz und dem Kottbuser Tor teilweise auf die U-Bahnhöfe Boddin-, Schönlein- und Leinestraße "verlagert". Man sei regelmäßig mit Zivilkräften und uniformierten Beamten vor Ort, habe an den "Brennpunkten", inklusive Hasenheide, allein 1999 über 31 000 Personen kontrolliert, sagt Weis. Es wurden 1848 Anzeigen wegen Betäubungsmitteldelikten gestellt und 39 Kilogramm Drogen sicher gestellt, 1998 waren es 743 Anzeigen und 48 Kilogramm.

Ausgeklügelte Methoden der Dealer, die Drogen zu verstecken und unauffällig an den Mann zu bringen, machen es den Ermittlern schwer. Gebe es dann mal eine Festnahme, sei der Täter oft "schneller wieder auf dem Bahnhof" als die Beamten, sagt Weis. Die Justiz müsse hier härter zupacken. "Es gibt sehr wenige Verurteilungen." Der Polizist kritisiert aber auch, dass die BVG bislang zu wenig auf ihr Hausrecht poche. "Der Wachschutz soll natürlich keine Polizeiarbeit machen, aber die Drogenhändler ansprechen und des Bahnhofs verweisen." Das will die BVG nun machen, wie sie an einem "Runden Tisch" des Neuköllner Bezirksamts ankündigte. Die BVG hat nun auch die Durchwahlnummern der verantwortlichen Polizeibeamten. Weis: "Bislang wurde immer nur die 110 gewählt."

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