Berlin : Einige Steine kommen ins Museum

Kunstausstellung oder Verkauf für einen guten Zweck – die Riesenquader sind heiß begehrt

Jana Peters,Johannes Radke

Millionen Menschen haben mitgefiebert als die symbolische Mauer aus überdimensionalen Dominosteinen am Montagabend umstürzte. Fernsehkameras sendeten das Ereignis in die ganze Welt. Jetzt werden die bunt bemalten Kunstwerke wieder an die Unterstützer der Aktion zurückgegeben, manche kommen sogar ins Museum. „Die 1000 Steine werden im Moment in einer großen Halle von uns gelagert“, sagte eine Sprecherin der Agentur Compact-Team, die die Aktion durchgeführt hat. „Wenn die Schulen und Partner wollen, bekommen sie die Steine zurück.“ Das Verschicken der Kunststoff-Elemente ist sehr aufwendig. Rund 20 Kilo wiegt jeder der 2,5 Meter hohen Dominosteine. Für alle Styroporriesen, die am Ende übrig bleiben, gebe es Überlegungen eine bundesweite Ausstellung zu organisieren, hieß es.

30 der Steine haben bereits eine ganz besondere Reise hinter sich. Deshalb sollen sie ein neues Zuhause im Museum finden. Im Rahmen des vom Goethe-Institut organisierten Projekts „Mauerreise“ wurden die Stücke nach Israel, Korea, Mexiko, Zypern, Jemen und China verschickt – alles Orte an denen Teilung und Grenzerfahrungen den Alltag prägen. In den Ländern wurden sie für Künstler, Intellektuelle und Jugendliche als Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Teilungskonflikten genutzt. „Die Steine zeigen einerseits die alten Konflikte des kalten Krieges und andererseits die neuen politischen und religiösen Probleme in der Welt“, sagte der Leiter des Projekts Michael Jeismann. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Steine in Zukunft im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt werden.“ Auch im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig und in der Kulturbrauerei in Berlin sollen demnächst einige der Dominos bewundert werden. Besonders bewegend sei es für Jeismann am Montag gewesen, als er gemeinsam mit Künstlern aus Jemen, Zypern, Korea und China die fallenden Steine bei den Feierlichkeiten beobachtet habe.

Das Berliner Werbeunternehmen Wall hat ebenfalls zwei Dominosteine gesponsert, die von den Auszubildenden bemalt wurden. „Wir nehmen die Steine jetzt zurück und werden sie voraussichtlich in unserem Produktionswerk in Velten aufstellen“, sagte Wall-Sprecherin Beate Stoffers. Die drei Steine des Rucksackherstellers Eastpak sollen in den nächsten Wochen auf verschiedenen Kunstausstellungen gezeigt und anschließend verkauft werden. Der Erlös geht an das Berliner Straßenkinderprojekt Gangway.

Die Dominosteine wurden bereits in der Nacht zu Dienstag demontiert. Nur die Stahlplatten, auf denen sie standen, waren am Dienstag noch zu sehen. Gesperrt bleiben die Straßen in denen die Steine standen aber trotzdem. Erst in der Nacht zu Donnerstag sollen die letzten Reste des „Fests der Freiheit“ beseitigt sein. Allerdings entspannt sich die Verkehrssituation langsam, denn die Staatsgäste sind abgereist. Das bedeutet ein Ende der spontanen Straßensperrungen. Unter den Linden und auf der Wilhelmstraße fließt der Verkehr schon wieder ganz normal. Gesperrt bis zum späten Mittwochabend bleiben die Eberstraße, die Scheidemann- und Dorotheenstraße und die Straße des 17. Juni zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Brandenburger Tor. Um möglichen Staus zu entgehen, empfiehlt es sich, auch am heutigen Mittwoch diese Gegend weiterhin zu umfahren.

Am Dienstag glich das Gelände um das Brandenburger Tor noch einer großen Baustelle. Das Bild prägten Kabeltrommeln in allen Größen, Transporter der verschiedensten Fernsehsender, Kräne, umherfahrende Gabelstapler und immer weiter schrumpfende Bühnen. Dazwischen lagen noch viele Pappbecher, Plastiktüten und Kartonreste im teilweise schlammigen Boden. Für die Fußgänger war das Brandenburger Tor nur auf der Seite der US-Botschaft zu durchqueren. Wie bei jedem Fest gilt auch hier: Wer feiern will, muss auch aufräumen.

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