Berlin : Einkaufsschlachtenbummel

Favoritenschuhe, Voodoopuppen, Designerbälle: Im Einzelhandel ist die WM schon angepfiffen

Grit Thönnissen

Gibt es eigentlich irgendjemanden, der noch kein Tippkickspiel zu Hause stehen hat? Der noch keine Spaghetti in Schwarz-Rot-Gelb kocht und sich Salami in Fußballform aufs Brot legt? Läuft man dieser Tage durch Berliner Geschäfte denkt man: Wann gibt es endlich Fußball auch zu sehen und nicht nur zu kaufen. Fast alle Produkte sehen plötzlich aus wie Spielfelder, sind mit Nationalflaggen oder dem Konterfei von Klinsmann versehen. Ermüdungserscheinungen in Sachen Fußball sind weder bei Händlern noch Kunden zu spüren – ein Bummel durch die Berliner Läden zeigt es.

Ein guter Anfang für eine kleine Shoppingtour ist das „Herrlich“ in der Kreuzberger Bergmannstraße 2. Geschäftsführerin Gundula Hoburg konzentriert sich auf Geschenke für Männer. Die in großer Zahl vorhandenen Fußbälle, die dem von 1954 nachempfunden wurden, diverse Tischfußballspiele, Biergläser mit Aufschriften wie „Einer geht noch rein“, verkaufen sich im Moment rasend – ob als Geschenk oder als touristisches Mitbringsel. Um die Stimmung ein bisschen anzuheizen, zeigt Gundula Hoburg vom 6. Juni an die Ausstellung „Fußballdeutsch in Bildern“ in ihren Verkaufsräumen.

Bei der Schuhmacherei Breitenbach, ein Stück weiter in der Bergmannstraße, ist „Brasilien der Hit“, wie Shopmanager Erwin Kurt sagt. Gemeint ist ein grüner Maßschuh mit dem gelb-blauen Emblem Brasiliens an der Seite. Wer bis zum 15. Juni eines der 64 Modelle bestellt, bekommt seinen Wunschschuh pünktlich zum Finalspiel geliefert. Ginge man, was die Favoritenrolle angeht, nach der Häufigkeit der bestellten Modelle, sehe es für Deutschland ganz schlecht aus: Vier Modelle wurden in den deutschen Farben entworfen, verkauft hat Breitenbach davon bisher kein einziges Paar.

Auch handgearbeitet, aber nicht ganz so kostspielig sind die mit Siebdruck versehenen Hefte (20 Euro) von Cecilé Belmont, die bei „Berliner Klamotten“ in den Hackeschen Höfen in Mitte verkauft werden. Motive, wie die fiktive, aber dafür künstlerisch wertvolle Fußballmannschaft „We were so happy“ verleiten zum Führen eines Tagebuchs über die Siege und Niederlagen der nächsten Wochen.

Wie ein verzweifelter Hilferuf könnten die Schals des Berliner Designerlabels „Die Profis“ (35 Euro) wirken. Die klassische Fanschaloptik fesselt auf den ersten Blick die Aufmerksamkeit von WM-Fixierten, damit dann die Aufschrift „Ich will Liebe“ ihre volle Wirkung entfalten kann. Noch andere hübsche, etwas drastischere Aufforderungen in Wolle gibt es bei „Konk“ in der Kleinen Hamburger Straße 15 in Mitte.

Die Balltasche von Bless ist mit 600 Euro ein etwas kostspieligeres Modeaccessoire, das Designkenner dafür aber mit der Zunge schnalzen lässt. Bless, das Designlabel mit Sitz in der Berliner Mulackstraße 38 und in Paris hat nicht erst seit Auslosung der Gruppenspiele, die Tasche aus weichem Leder im Angebot.

Auch der Juwelier Niessing im Charlottenburger Stilwerk in der Kantstraße möchte mit seinen Miniaturlederbällen wohl eher Design- als Fußballfans ködern. Die Lederkugeln gibt es als Anhänger für Ketten, Schlüsselringe, Mobiltelefone oder als Ringe ab 49 Euro.

Wer mehr auf Vergängliches steht, dem seien die „Chicken Frings“ empfohlen, die der Hertha- und Nationalspieler Arne Friedrich zusammen mit dem TV-Koch für das Rezeptbuch „Kochen wie die Weltmeister“ (Südwest-Verlag) zubereitete. Bei „Kochlust“, einer Buchhandlung und Kochschule in der Alten Schönhauser Straße 36/37, wurde gerade erst nach dem Buch „Snacks zur Fußball-WM“ (Verlag Hölcker) gekocht. Vielleicht würde es ja helfen, wenn Friedrich schnell noch ein paar „Abwehrriegel“ für seine Kollegen in der Nationalmannschaft brutzeln würde.

Und wenn das alles nicht hilft, muss halt ein bisschen Voodoo her. Die kleinen Stoffpuppen, die bei Soma in der Alten Schönhauser Straße 15 im Schaufenster hängen, tragen Trikots der gefährlichsten Gegner und Markierungen – und zeigen, wo man die Nadeln am wirkungsvollsten einsetzen kann. Wenn der Zauber gelingt, kann man sich zur Belohnung eine der leckeren Fußballtorten bestellen, die bei der Konditorei Rajemann auf der Pappelallee 85 in Prenzlauer Berg auf Wunsch gebacken werden.

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