Berlin : Einkaufszentrum mit Gleisanschluss

Noch 200 Tage – Endspurt für den Hauptbahnhof Mehdorn: Alle Geschäfte bereits vermietet

Endspurt im künftigen Hauptbahnhof. „Jetzt zählt jeder Tag“, feuerte Bahnchef Hartmut Mehdorn gestern die rund 800 Bauarbeiter und Ingenieure auf der Superbaustelle an. In knapp 200 Tagen, am 28. Mai 2006 sollen die Züge des Fern- und Regionalverkehrs erstmals dort halten. „Der Termin steht“, ist sich Mehdorn sicher. 160 Fernzüge, 310 Züge des Regionalverkehrs und über 800 S-Bahnen täglich sind vorgesehen. Rund 300 000 Menschen werden nach den Prognosen der Bahn pro Tag durch den Bahnhof laufen.

Dort sollen sie auch einkaufen; denn der neue Bahnhof wird auch ein Einkaufszentrum. Die rund 80 Geschäfte mit zusammen 15 000 Quadratmetern seien vermietet, so der Bahnchef.

Jetzt beginnt der Aufbau der Läden. Angeboten werden soll ein breiter Branchenmix – mit überregionalen Filialisten und lokalen Einzelhändlern. Die Palette reicht von der Autovermietung über den Friseur, die Postfiliale, das Reisebüro bis zum Wellnessbereich. Ob es auch einen Check-In-Schalter für den Flughafen in Schönefeld gibt, steht dagegen immer noch nicht fest. Sollte der Flughafen ausgebaut werden, soll ein Airport-Express den Bahnhof mit dem neuen Terminal verbinden.

Um den neuen Bahnhof, den größten Turmbahnhof Europas mit vier Fernbahngleisen an der oberirdischen Ost-West-Stadtbahn und acht Gleisen für die unterirdische Nord-Süd-Verbindung, werde Berlin in der ganzen Welt beneidet, so Mehdorn. Kritik an dem Mammutbau, der etwa 700 Millionen Euro kosten wird, wies er zurück.

Bei der Betriebsaufnahme im nächsten Jahr sei der Bahnhof sicher noch „etwas großzügig“, sagte Mehdorn. Doch ein neuer Bahnhof sei für die nächsten Jahrzehnte gebaut. Und Berlin werde wachsen, auch rings um den Bahnhof werde es neue Bauten geben, gibt sich Mehdorn zuversichtlich. Deshalb sei der Hauptbahnhof „richtig dimensioniert“.

Seiner Zeit weit voraus war Mehdorn mit der Aussage, auf der oberirdischen Stadtbahn werde kein Fernzug mehr fahren. Der Bahnchef versucht zwar, möglichst alle Züge durch den neuen Tunnel zu schicken, damit die Kapazität der vier Röhren voll genutzt werden kann, doch auch nach dem Fahrplanwechsel fahren die ICE-Züge aus dem Ruhrgebiet sowie aus Basel/Frankfurt (Main) weiter über die Stadtbahn. Im Dezember 2006 sollen allerdings nach Mehdorns Ideen auch die Züge aus Basel/Frankfurt (Main) im Tunnel verschwinden und am Bahnhof Südkreuz an der Papestraße enden.

„Kein Verständnis“ hat Mehdorn für die Kritik an der Deckenkonstruktion der unterirdischen Halle. Hier hat die Bahn, wie berichtet, die Pläne des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner geändert. Die Klage Gerkans vor dem Landgericht soll in der nächsten Woche entschieden werden. Die Architekten wollten einen „kathedralenhaften“ Eindruck schaffen; die Bahn hat sich für eine herkömmliche, abgehängte Decke entschieden. Nur zum Teil ist noch Gerkans Handschrift zu sehen. Die geänderte Decke sei billiger und schneller zu bauen gewesen als Gerkans Entwurf, so Mehdorn. Zuvor hatte er bereits das oberirdische Hallendach von 430 auf 321 Meter kürzen lassen.

Der Bahnhof sei teuer genug geworden. Er sei ein Zweckbau und kein Monument. Trotzdem sei die Architektur „vom Feinsten“, schlug Mehdorn auch versöhnliche Töne an. Am Terminplan will er festhalten, selbst wenn die Bahn den Streit vor Gericht verlieren sollte. Dann wird eben weiter geklagt.

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