Berlin : Einladung zum Fastenbrechen

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am vergangenen Donnerstag luden Berliner CDU-Verbände zum Fastenbrechen (Iftar) ein. „Erster Iftar der CDU“, berichtete am Sonnabend die Tageszeitung Türkiye auf ihrer Europa-Seite. Damit ist die Mahlzeit am Ende eines Fastentages gemeint. Am heutigen Montag fasten die Moslems ein letztes Mal von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, ab Dienstag wird dann das dreitägige „Ramadanfest“ gefeiert, das für Moslems den gleichen Stellenwert hat wie das Weihnachtsfest für Christen. Zu dem Abend im türkischen Festsaal „Ideal Event-Center“ im Bezirk Reinickendorf hatten die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft, die Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) und das Integrationsforum der Partei eingeladen. Gekommen waren auch CDU-Politiker wie Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura und der Bundestagsabgeordnete Roland Gewalt, türkische Geschäftsleute, Journalisten und Imam Mohammed Herzog. Hauptinitiatorin dieses Ereignisses war jedoch die türkischstämmige CDU-Politikerin Emine Demirbüken-Wegner, die zusammen mit Ehemann Michael Wegner, der Landesvorsitzender der MIT ist, eine Rede hielt. Er auf Deutsch, sie auf Türkisch.

Aber das war noch gar nichts gegen das, was sich vor knapp einer Woche in Nürnberg ereignet hat. „Annäherung beim Fastenbrechen“, titelte die konservativ-fromme Tageszeitung Türkiye dazu am vergangenen Dienstag. Die nichtreligiöse Tageszeitung Milliyet erklärte auf der Europa-Seite: „Der Bayerische Innenminister Günter Beckstein hat ein Fastenbrechen-Essen gegeben, an dem auch Generalkonsul Mehmet Munis Dirik teilgenommen hat.“ Dazu sahen die Leser der Zeitungen einen strahlenden Günter Beckstein und auf einer anderen Aufnahme einen sehr gut gefüllten Saal mit glücklich lächelnden Menschen, wie dem CSU-Generalsekretär Markus Söder, dem Europaabgeordneten Martin Kastler und Fraktions-Geschäftsführer der CSU in Nürnberg, Tobias Schmidt.

Türkiye fühlte sich so geschmeichelt, dass sie das Ereignis kommentiert hat. Die Überschrift: „Die neue CSU“. „Wir haben es wohl geschafft, unseren deutschen Freunden die türkische Gastfreundschaft beizubringen“, scherzte der Schreiber und resümierte: „Und nun sollten wir ihnen ihre guten Seiten abgucken.“ Welche das sind, erklärte er nicht, aber er schloss nicht aus, dass es bald türkischstämmige CSU-Abgeordnete und noch mehr Wähler geben wird. 80 Prozent der Türken in Deutschland seien konservativ. Das hat auch der wegen antimuslimischer Äußerungen kritisierte Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche mittlerweile begriffen. Am Freitag entschuldigte er sich öffentlich beim Deutsch-Türkischen Forum der CDU.

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