Berlin : Einlagern!

Andreas Conrad

Viele Entscheidungen fallen voreilig, ohne Gedanken an die Konsequenzen. Zum Beispiel beim Erwerb einer Fahne: Wer hat bedacht, was aus dem schwarz-rot-goldenen Tuch einmal würde? Denn eines war schon beim WM-Start klar: Egal ob man unsere Jungen vorzeitig rauskickt oder zuletzt alles im Siegestaumel versinkt – am 9. Juli ist Schluss, aber die Fahnen sind dann immer noch da. Was also tun, denn dass sich die Autowimpel-Mode als dauerhaft erweisen könnte, ist kaum anzunehmen. Verbrennen geht auch nicht, das Bild kokelnder Flaggen ist zu negativ besetzt und könnte missverstanden werden, zudem stellte sich angesichts des üblichen synthetischen Flaggenmaterials die Frage unzulässiger Abgasemissionen. Hoffen darf man immerhin auf den nächsten 1. Mai, auf dass die letzten versprengten Autonomen in einem plötzlich wieder hochschwappenden schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer buchstäblich untergehen. Ganz zufrieden stimmt auch diese Lösung nicht, ist sie doch zu punktuell, unangemessen der Euphorie, mit der wochenlang gewedelt wurde. Aber möglicherweise tut sich hier ja eine Marktlücke auf. Könnte man nicht all den Flaggenbesitzern anbieten, ihre Wimpel gegen Miete saisonal einzulagern bis zu künftigem nationalem Höhenflug? Was uns bei Autoreifen recht ist, sollte uns bei Fahnen nur billig sein.

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