Berlin : Einmal im Leben nach Mekka

Für Muslime ist die Pilgerreise Pflicht. In diesem Jahr werden etwa tausend Berliner dabei sein

Suzan Gülfirat

Jetzt reisen Muslime aus aller Welt wieder nach Mekka, um die Kaaba im Innenhof der Großen Moschee zu berühren. Auch Berliner Muslime werden dabei sein; geschätzt wird ihre Zahl etwa auf Tausend. Mindestens einmal im Leben ist diese Pilgerreise für Muslime Pflicht – auch Frauen dürfen nach Mekka reisen. In Berlin werden die Reisen etwa von der Türkisch-Islamischen Union, der Anstalt für Religion (DITIB), der islamistischen Milli Görüs oder der Türkische Gemeinde in Kreuzberg oranisiert.

„Von uns aus sind 230 Gläubige nach Mekka geflogen“, sagt Recep Türkoglu von der Moschee am Columbiadamm. Das Gebetshaus wird vom DITIB in der Wiener Straße in Kreuzberg geleitet, wo eigens ein Hadschbeauftragter Visa und Flugtickets beschafft, für Unterkunft und Reiseleitung sorgt und Tipps gibt, wie sich ein zukünftiger Hadschi (so darf sich ein Mekka-Reisender hinterher nennen) vor Ort kleiden und verhalten muss.

Billig ist die Hadsch nicht: 2000 bis 3000 Euro kostet sie, je nachdem, wie komfortabel der Pilger reisen möchte. „Wenn du die Hadsch mit uns machen möchtest, dann melde dich bitte umgehend mit dem nebenstehenden Anmeldeformular bei uns an", steht beispielsweise auf der Homepage von „mulimereisen.de“. Auf der Preisliste kann der Pilger genau nachlesen, was ihn der Besuch der Geburtsstätte seines Propheten Mohammed kostet und welche Leistungen er für das Geld bekommt.

„Inschallah, wenn meine Zeit gekommen ist, werde auch ich einmal in meinem Leben nach Mekka fahren“, sagt Tacittin Yatkin (45) von der Türkischen Gemeinde in Kreuzberg. Denn ganz so selbstverständlich ist die Reise nach Mekka für Muslime nicht, selbst wenn der Glaube ihnen diese vorschreibt. Da gibt es manchmal andere Prioritäten.

„Am Essen oder an der Bildung der Kinder darf man nicht sparen, um diese Pflicht zu erfüllen“, sagt Tacittin Yatkin. Denn nur, wer das Geld über habe, dürfe die Reise antreten. Burhan Kesici (31) von der Islamischen Föderation hat diese fünfte islamische Pflicht (neben dem Glauben an Gott, beten, fasten, Almosen verteilen) hinter sich gebracht, nachdem er zuvor den islamischen Religionsunterricht an den Berliner Schulen vor Gericht durchsetzen konnte. „Das Leben ist ja lang, deshalb lassen sich manche auch aus finanziellen Gründen Zeit“, sagt er.

Nach der Reise nach Mekka, so verspricht die Religion, ist ein Muslim übrigens frei von allen Sünden. Bei späteren Vergehen wird die Reise null und nichtig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben